Vera-Lotte Boecker

Vera-Lotte Boecker in La Juive

Vera-Lotte Boecker (geboren in Brühl bei Köln) ist eine deutsche Opernsängerin der Stimmlage Sopran. Sie war Ensemblemitglied des Nationaltheaters Mannheim und der Komischen Oper Berlin. Im September 2020 tritt sie ein Engagement an der Wiener Staatsoper an.

Leben und Werk

Vera-Lotte Boecker studierte Philosophie und Literatur an der Humboldt-Universität zu Berlin sowie Gesang an der Hochschule für Musik Hanns Eisler und an der Universität der Künste Berlin, wo sie 2013 mit Auszeichnung abschloss. Danach war sie am Opernstudio der Königlichen Oper von Kopenhagen verpflichtet. Sie besuchte Meisterkurse bei Siegfried Jerusalem und Mirella Freni. 2014 übernahm sie im Landestheater Detmold die Hauptrolle der Agnès in Benjamins Written on Skin. Für die Gestaltung dieser Rolle wurde sie von der Opernwelt als beste Nachwuchssängerin nominiert und mit dem Theaterpreis der Stadt Detmold ausgezeichnet. Von 2014 bis 2017 gehörte Vera-Lotte Böcker zum Ensemble des Nationaltheaters Mannheim, danach wurde sie von Intendant Barrie Kosky für drei Spielzeiten an die Komischen Oper Berlin engagiert. In beiden Häusern konnte sie ein breites Spektrum an Aufgaben übernehmen, in komischen Opern (als Adina und Rosina) ebenso wie in Operette und Musical, aber auch im dramatischen Fach. In der Uraufführung von Lucia Ronchettis Esame di Mezzanotte übernahm sie im Mai 2015 in Mannheim die Rolle der Iris.

Bereits in den Mannheimer Jahren wurde sie als Gast an eine Reihe renommierter Bühnen verpflichtet. Im Juni 2016 verkörperte sie die Princesse Eudoxie in einer Neuproduktion der Jüdin von Halévy bei den Münchner Opernfestspielen — als Partnerin von Roberto Alagna (Éléazar) und Aleksandra Kurzak (Rachel). Es inszenierte Calixto Bieito, es dirigierte Bertrand de Billy. Diese Produktion wurde danach in das Repertoire der Bayerischen Staatsoper übernommen. In Stuttgart und bei den Salzburger Festspielen gastierte sie jeweils in einer Oper von Hans Werner Henze, in Bozen und am Moskauer Bolschoi-Theater übernahm sie die Agnès in Written on Skin. Die spektakuläre Zauberflöten-Inszenierung[1] von Suzanne Andrade und Barrie Kosky an der Komischen Oper in Berlin führte sie auf Gastspielreisen an die Hamburgische Staatsoper, nach Beijing, Tokyo, Paris und New York. Sie sang die Pamina.

Vera-Lotte Boecker arbeitete mit namhaften Dirigenten zusammen, darunter Rubén Dubrovsky, Dan Ettinger, Rossen Gergov, Wladimir Jurowski, Cornelius Meister, Kent Nagano, Frank Ollu, Alexander Soddy und Erich Wächter. Zu den wichtigen Regisseuren, in deren Neuproduktionen sie tragende Rollen übernahm, zählen — neben Koskie — Achim Freyer, Stefan Herheim, Frank Hilbrich, Stephan Kimmig, Peter Konwitschny, Katie Mitchell, Nicola Raab und Krzysztof Warlikowski. Wo immer sie auftrat, konnte sie die Zustimmung von Publikum und Presse erringen. In München wurde ihr "gleißender Sopran" als "höhen- und koloraturensicher" gelobt,[2] in Paris "une grande maîtrise de son instrument"[3] festgestellt, große Meisterschaft in der Beherrschung ihres Instruments, und Die Zeit beschränkte ihre Kritik an Boeckers Darstellung der Lydia Pawloska in Weinbergers wieder entdeckter Operette Frühlingsstürme auf ein Wort: "Tadellos".[4]

Die Sängerin verzeichnet auch eine Reihe von Konzertauftritten. Im Kulturpalast Dresden übernahm sie das Sopransolo in Carl Orffs Carmina Burana. In einem Stipendiatenkonzert der Karajan-Akademie der Berliner Philharmoniker sang sie Werke von Goldmann und Henze. Als Sopransolistin der Dresdner Philharmonie unter Michael Sanderling spielte sie Beethovens Neunte ein. Für Januar 2021 ist ein Liederabend im Gläsernen Saal des Wiener Musikvereins angekündigt, in dem die Sängerin — begleitet von Sarah Tysman am Klavier — Lieder des NS-Opfers Viktor Ullmann Arbeiten des in die Emigration gezwungenen Kurt Weill gegenüberstellen wird.[5]

Im Jahr 2020 verpflichteten sie der neue Direktor Bogdan Roščić und der neue Musikdirektor Philippe Jordan an die Wiener Staatsoper, wo sie im ersten Fach auftreten wird. Bereits in ihrer ersten Spielzeit in Wien wird sie in drei Neuproduktionen zu sehen und zu hören sein, in Henzes Das verratene Meer, als Micaëla in Carmen und in Monteverdis L’incoronazione di Poppea.

Repertoire

Abraham:

Benjamin:

Bizet:

Donizetti:

Halévy:

Henze:

Humperdinck:

Lehár:

Loewe:

 

Mozart:

Offenbach:

Puccini:

Rossini:

J. Strauß:

R. Strauss:

Verdi:

Weill:

Weinberger:

Wettbewerbe, Auszeichnungen

  • 2014 Theaterpreis der Stadt Detmold
  • 2015 Gesangswettbewerb Vokal genial der Konzertgesellschaft München und des Bayerischen Rundfunks — 1. Preis, Publikumspreis und Orchesterpreis
  • Stipendiatin des Deutschen Musikwettbewerbes und des Richard-Wagner-Verbandes Mannheim

Weblinks

 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. BR Klassik: Spektakuläre Zauberflöte an der Komischen Oper Berlin, abgerufen am 30. April 2020
  2. BR Klassik: ZAHME INSZENIERUNG VON CALIXTO BIEITO ERÖFFNET OPERNFESTSPIELE, Kritik von Bernhard Neuhoff, 27. Juni 2016
  3. Olyrix (Paris): La Flûte enchantée voyage dans le temps à l’Opéra Comique, Kritik von Malory Matignon, 7. November 2017
  4. Die Zeit (Hamburg): Frühling in der Mandschurei!, Rezension von Thomas E. Schmidt, 29. Januar 2020
  5. Wiener Musikverein: Vera-Lotte Boecker • Sarah Tysman, abgerufen am 30. April 2020
Original: Original:

https://de.wikipedia.org/wiki/Vera-Lotte_Boecker