Upernavik

Upernavik (Wo man den Frühling/
Sommer verbringt)
Upernavik
Blick über Upernavik (2007)
Blick über Upernavik (2007)
Kommune Avannaata Kommunia
Distrikt Upernavik
Geographische Lage 72° 47′ 2″ N, 56° 9′ 2″ WKoordinaten: 72° 47′ 2″ N, 56° 9′ 2″ W
Upernavik (Grönland)
Upernavik
Einwohner 1.073
(1. Januar 2019)
Gründung 1772
Zeitzone UTC-3

Upernavik [uˈpɜnːavik] ist eine grönländische Stadt im Distrikt Upernavik in der Avannaata Kommunia.

Lage

Upernavik liegt auf der 2,77 km² großen gleichnamigen Insel, eine der vielen kleineren Inseln des Upernavik-Archipels südlich des Ikeq (Upernavik Isfjord), in den die größten Eisberge der Nordhalbkugel kalben. Etwa zehn Kilometer südöstlich liegt die Insel Qaarsorsuatsiaq mit dem etwa 1000 m hohen Berg Qaarsorsuaq (Sanderson Hope). Die nächstgelegene Siedlung ist Aappilattoq, das 21 km nordöstlich liegt.[1]

Geschichte

Upernavik (um 1900)

Die Gegend um Upernavik wurde bereits im Mittelalter von den Grænlendingar besucht. Dies bezeugt der 20 km nördlich gefundene Runenstein von Kingittorsuaq. Die Insel Upernavik diente vermutlich schon im 17. Jahrhundert als Wohnplatz für Inuit. Zur selben Zeit befuhren auch holländische Walfänger die Gegend. 1772 ließ Carl Dalager in Upernavik eine Handelsstation errichten. Diese lag für damalige Verhältnisse außergewöhnlich weit im Norden und viele Kolonialisten verhungerten, erfroren oder entgingen dem direkt durch Suizid. Mehrfach wurde die Station aufgegeben und wieder neu eröffnet. Ab 1823 wurde schließlich dauerhaft Handel getrieben und drei Jahre später wurde Upernavik zur eigenständigen Kolonie.[2]

Bis zur Verwaltungsreform 2009 war Upernavik der Hauptort der Gemeinde Upernavik. Die Gemeinde war mit Abstand diejenige in Grönland, der am meisten Dörfer zugehörten. Anschließend wurde die Gemeinde in die Qaasuitsup Kommunia eingegliedert und ist seit 2018 Teil der Avannaata Kommunia.[3]

Liste der Kolonialangestellten bis 1921

Kolonialverwalter

In Upernavik waren bis 1921 folgende Kolonialverwalter tätig. Zwischenzeitlich wurde der Kolonialstatus entzogen und die Verwalter waren somit Handelsassistenten oder Udstedsverwalter.[4]

  • 1769–1770: Andreas Bruun
  • 1770–1771: Carl Christopher Dalager
  • 1771–1775: Andreas Bruun
  • 1775: Johannes Andreas Willumsen
  • 1775–1778: Nikolaj Daniel Muus
  • 1778–1780: Jørgen Arnkiel
  • 1780–1782: Nikolaj Daniel Muus
  • 1782–1783: Ole Krabbe
  • 1783–1784: Hans Frisach Gløersen
  • 1784–1785: Johan Philip Fleischer
  • 1785–1786: Caspar Gottlieb Lidemark
  • 1786–1789: Christen Andersen Enghel
  • 1789: Rudolph Friederich Lassen
  • 1789–1790: Andreas Lauridsen Nørregaard
  • 1796–1797: Asarpane Andreas Sandgreen (Handelsassistent)
  • 1797–1803: Rasmus Jensen Brandt (Handelsassistent)
  • 1803–1804: Rasmus Nielsen (Handelsassistent)
  • 1804–1805: Rasmus Jensen Brandt (Handelsassistent)
  • 1805–1809: Johannes Winding
  • 1809–1811: Frederik Friedlieb von Rosbach
  • 1811–1814: Niels Larsen Steenholdt (Handelsassistent)
  • 1824–1826: Hans Christiansen (Udstedsverwalter)
  • 1826–1828: Georg Jacobsen
  • 1829: Claudius Andreas Stephensen
  • 1829–1830: Hans Christiansen
  • 1830–1838: Severin Michael Cortzen
  • 1838–1840: Wilhelm Christian Hansen
  • 1849–1843: Poul Georg Lauri Bolbroe
  • 1843–1846: Rasmus Møldrup
  • 1846–1858: Knud Geelmuyden Fleischer
  • 1858–1874: Christian Nicolai Rudolph
  • 1874–1878: Jens Karsten Nielsen Thygesen
  • 1878–1884: Niss Lauritz Elberg
  • 1884–1890: Edgar Christian Fencker
  • 1890–1892: Herman Valentin Høst Beyer
  • 1892–1896: Anders Peter Olsen
  • 1896–1910: Hans Peter Kraul
  • 1910–1914: Carl Frederik Harries
  • 1914–1918: Axel Kristian Marius Vinterberg
  • 1918–1919: Einar Andersen
  • ab 1919: Aage Carlhegger Erik Østerberg Bistrup

Missionare und Pastoren

Folgende Missionare waren in der Kolonie Upernavik tätig. Von 1790 bis 1833 gab es keine Mission.[4]

Ärzte

Upernavik wurde 1915 als eigener Arztdistrikt aus dem Arztdistrikt Uummannaq ausgegliedert. Von 1787 bis 1788 war bereits Chirurg als Handelsassistent in Upernavik tätig.[4]

  • 1787–1788: Johan Poul Gerhardt
  • 1915–1919: Hans Jensen Bryder
  • 1919–1920: Spodsbjerg

Wirtschaft

Die neue Kirche von Upernavik (2007)

Bei Upernavik findet sich eine reiche Fauna. Hier finden sich Eisbären, Moschusochsen, Rentiere, Polarfüchse und Schneehasen. Im Wasser schwimmen zudem Belugas, Narwale, Robben und Walrösser. Zahlreiche Vogelarten leben zudem um die Stadt herum, zum Beispiel Papageientaucher, Krabbentaucher, Tordalken, Eiderenten, Prachteiderenten, Eistaucher, Kormorane, Kolkraben und Dreizehenmöwen. Gerade in früherer Zeit war der Fang der Dickschnabellummen und das Sammeln ihrer Eier bedeutend. Heute konzentriert sich der Fang jedoch größtenteils auf Schwarzen Heilbutt.[2][5] In der Stadt gibt es eine Fischfabrik. Vor allem seit der Eröffnung des Flughafens wird der Tourismus in Upernavik stark ausgebaut und als Einnahmequelle genutzt.[6]

Infrastruktur und Versorgung

Der Hafen von Upernavik liegt in der Bucht Ukuarluk im Norden der Stadt. Er besteht aus einem 30 m langen Containerkai und einem 15 m langen Kai für kleinere Schiffe bei einer Wassertiefe von etwa 4,20 m. Im Südwesten der Stadt findet sich zudem in der Bucht Iterlannguaq eine weitere Anlegestelle für kleine Fischerboote. Die Errichtung eines neuen großen Hafens auf der südlich gelegenen deutlich größeren Insel Akia (Langø) ist ebenfalls möglich. Auf dem Berg auf Upernavik wurde 2000 der Flughafen Upernavik eröffnet, der den Ort besser an den Rest des Landes anbindet und zudem als Zwischenhalt nach Qaanaaq fungiert. Auch ein neuer größerer Flughafen kann auf Akia angelegt werden. Die Stadt hat ein Straßennetz, das jedoch in schlechtem Zustand ist und ausgebaut werden müsste.

Nukissiorfiit ist für die Strom-, Wärme- und Wasserversorgung zuständig. Der Tasersuaq (Tyfussø) im Osten der Insel gewährleistet die Aufbereitung von Trinkwasser in der Stadt. Es gibt jedoch kein Frischwassernetz in Upernavik. Nur wenige Gebäude in der Stadt sind an das Abwassernetz angeschlossen. Das Abwasser wird ins Meer geleitet. Die Mülldeponie im Süden der Stadt soll wegen ihres Gestanks in naher Zukunft in den Norden umverlegt werden.[6]

Bebauung

Die alte Kirche von Upernavik als Teil des Museums (2014)

Das Stadtzentrum von Upernavik liegt südlich des Hafens im Westen der Stadt. Hier befinden sich das Krankenhaus, das Kommunalbüro, eine Pilersuisoq-Filiale, das Altenheim der Stadt, ein Wohnheim, die Postfiliale, die Feuerwehrstation und die Prinsesse Margrethe Atuarfia, die 300 Schüler bis zur zehnten Klasse unterrichtet und die Bibliothek des Distrikts beherbergt. In der Stadt gibt es zudem eine Niederlassung des Berufszentrums Piareersarfik und ein Kulturhaus, das für sportliche und kulturelle Aktivitäten genutzt wird.

Zahlreiche Gebäude in Upernavik sind erhaltenswürdig oder stehen unter Denkmalschutz. Dazu gehören die Gebäude aus der Kolonialzeit im Süden der Stadt, die heute Teil des Upernavik-Museums sind, das nördlichste Freilichtmuseum der Welt und älteste Grönlands.[6]

Städtepartnerschaften

Söhne und Töchter

Bevölkerungsentwicklung

Die Bevölkerungszahl von Upernavik stieg bis in die 2000er Jahre an und geht seither leicht zurück. Upernavik gehört zu den kleineren Städten Grönlands.[8]

Panorama

Upernavik am Abend (2007)

Weblinks

Klimadiagramm von Upernavik
 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Karte mit allen offiziellen Ortsnamen bestätigt vom Oqaasileriffik, bereitgestellt von Asiaq
  2. a b History bei greenland-guide.gl
  3. Upernavik in Den Store Danske
  4. a b c A. Bertelsen, O. B. Bøggild, H. Bryder, R. Hammer, J. Krogh, H. Ostermann, Morten P. Porsild, K. Rasmussen, K. Stephensen: Grønland i tohundredeaaret for Hans Egedes landig. In: G. C. Amdrup, Louis Bobé, Ad. S. Jensen, H. P. Steensby (Hrsg.): Meddelelser om Grønland. Band 60. C. A. Reitzel Boghandel, Kopenhagen 1921, S. 516 ([1]).
  5. Upernavik bei groenlandkreuzfahrt.de
  6. a b c Upernavik bei qaasuitsup-kp.cowi.webhouse.dk
  7. Venskabsbyer bei avannaata.gl
  8. Einwohnerzahl Upernavik 1977–2019 bei bank.stat.gl
Original: Original:

https://de.wikipedia.org/wiki/Upernavik