Qaqortoq

Qaqortoq (das Weiße)
Julianehåb (Julianes Hoffnung)
K'aĸortoĸ
Qaqortoq (2013)
Qaqortoq (2013)
Kommune Kommune Kujalleq
Distrikt Qaqortoq
Geographische Lage 60° 42′ 59″ N, 46° 1′ 59″ WKoordinaten: 60° 42′ 59″ N, 46° 1′ 59″ W
Qaqortoq (Grönland)
Qaqortoq
Einwohner 3.092
(1. Januar 2017)
Gründung 1776
Zeitzone UTC-3

Qaqortoq Zum Anhören bitte klicken! [qɑˈqɔtːɔq] (nach alter Rechtschreibung K'aĸortoĸ; dänisch Julianehåb [juliˈaːnəhoːʔb]) ist eine grönländische Stadt im Distrikt Qaqortoq in der Kommune Kujalleq. Qaqortoq ist als fünftgrößte Stadt des Landes sowohl Hauptort der ehemaligen Gemeinde Qaqortoq als auch der heutigen Kommune.

Lage

Qaqortoq liegt an der Spitze einer bei Igaliku entspringenden zerklüfteten schmalen Halbinsel im Süden Grönlands. Vor der Stadt trennt der Qaqortup Ikera Qaqortoq von der Insel Akia, eine Meerenge, in die der Igalikup Kangerlua mündet. Östlich von Qaqortoq wird die Halbinsel eingeschnitten von zwei um die Insel Arpatsivik gelegenen Meerengen, die in den buchtähnlichen Fjord Qaqortukuluup Imaa zusammengeführt werden. Qaqortoq ist im Westen und Osten von Bergen umgeben, zwischen denen nordwestlich der große See Tasersuaq liegt. Der nächstgelegene Ort ist das 13 km südöstlich befindliche Eqalugaarsuit.[1]

Geschichte

Qaqortoq in einer Lithografie von Theodor Bergh aus dem Jahr 1861

Qaqortoq wurde 1775 von Anders Olsen unter dem Namen Julianehåb gegründet. Anders Olsen benannte den Ort nach der dänischen Königin Juliane Marie, die zu diesem Zeitpunkt die Witwe von König Friedrich V. war.[2] Anfangs befand sich der Ort völlig zwischen den beiden flankierenden Bergen an dem Fluss, der den Tasersuaq mit dem Meer verbindet. Bis zu den 1930er Jahren war der Ort jedoch so stark gewachsen, dass man auch die beiden Berge bebaute.[3] Qaqortoq war bis zur Verwaltungsreform im Jahr 2009 Hauptort der Gemeinde Qaqortoq und ist seither Hauptort der Kommune Kujalleq.[4]

Liste der Kolonialangestellten bis 1921

Kolonialverwalter

Folgende Personen waren bis 1921 als Kolonialverwalter der Kolonie Julianehaab tätig.[5]

  • 1773–1780: Anders Olsen
  • 1780–1787: Niels Møller Thomsen
  • 1787: Niels Christian Mathiesen
  • 1787–1794: Jørgen Christoph von Koppelow Lund
  • 1794–1806: Johan Christian Mørch
  • 1806–1807: Eylert Schythe (interim)
  • 1807–1813: Johan Christian Mørch
  • 1813–1820: Wilhelm Mathias Olrik
  • 1820–1821: Rasmus Jensen
  • 1821–1826: Jørgen Monrad
  • 1826–1827: Jens Mathias Mathiesen
  • 1827–1830: Gerhard Heiberg Wolff
  • 1830–1832: Jens Mathias Mathiesen (interim)
  • 1832–1834: Gerhard Heiberg Wolff
  • 1834–1841: Frederik Lassen
  • 1841–1842: Ove Valentin Kielsen (interim)
  • 1842–1846: Johannes Haberdorff Lytzen (interim)
  • 1846–1847: Ove Valentin Kielsen (interim)
  • 1847–1850: Frederik Lassen
  • 1850–1852: Holger Biilmann
  • 1852–1853: Ove Valentin Kielsen
  • 1853–1856: Bendix Andreas Heide Tvede
  • 1856–1861: Jørgen Nielsen Møller
  • 1861–1863: Albert Emil Blichfeldt Høyer
  • 1863–1867: Lars Frederik Larsen
  • 1867–1872: J. Georg Kursch
  • 1872: Einar Hansen
  • 1872–1873: Ulrik Frederik Rosing (interim)
  • 1873–1880: Hans Frederik A. Hansen
  • 1880: Carl Julius Peter Ryberg (interim)
  • 1880–1884: Carl Emil Olfert Lytzen
  • 1884–1885: Conrad Poul Emil Brummerstedt (interim)
  • 1885: Johan Christian Simony (interim)
  • 1885–1892: Carl Emil Olfert Lytzen
  • 1892–1895: Conrad Poul Emil Brummerstedt
  • 1895–1896: Carl Ringsted (interim)
  • 1896–1902: Conrad Poul Emil Brummerstedt
  • 1902–1907: Herjulf Carl Georg Jørgensen
  • 1907–1909: Oscar Peter Cornelius Kock
  • 1909–1910: Christian Sigvald Jensen Langskov
  • 1910–1911: John Christian Gustav Baumann
  • 1911–1913: Christian Sigvald Jensen Langskov
  • 1913–1914: Poul Hermann Ibsen (interim)
  • 1914–1916: Christian Sigvald Jensen Langskov
  • ab 1916: Oluf Hastrup

Missionare und Pastoren

In der Kolonie waren bis 1921 folgende Missionare und Pastoren angestellt. Von 1811 bis 1812, 1842 bis 1843 und 1877 bis 1879 war Missionar der Kolonie Frederikshaab zuständig. Von 1815 bis 1817 gehörte die Kolonie zur Kirchengemeinde der Kolonie Godthaab. Von 1812 bis 1815 und 1824 bis 1825 gab es keinen Missionar.[5]

  • 1779–1788: Hans Buch
  • 1788–1794: Niels Giævertsen Titchen
  • 1794–1800: Lauritz Gudde
  • 1800–1806: Rasmus Knudsen
  • 1806–1811: Christian Frederik Fleischer
  • 1817–1824: Poul Gotfred Wanning
  • 1826–1835: Magnus Wilhelm Esmann
  • 1835–1841: Jørgen Frederik Jørgensen
  • 1841–1842: Hans Peter Bech
  • 1843–1851: Hans Frederik Ivar Henrik Vesterboe
  • 1851–1853: Carl Emil Janssen
  • 1853–1861: Ulrik Peter Christian Nissen
  • 1861–1868: Christian Heilmann Rosen
  • 1868–1874: Moritz Christian Julius Anthon
  • 1874–1877: Lauritz Theodor Ostenfeldt
  • 1879–1887: Otto Christopher Skaarup
  • 1887–1892: Edvard Ægidius Lützen
  • 1892–1900: Poul Moth Thestrup Engberg Frantzen
  • 1900–1904: Poul Hansen Vibæk
  • 1904–1908: Nikolaj Frederik Severin Balle
  • 1908–1910: Carl Ferdinand Wagner
  • ab 1910: Erik Jespersen

Ärzte

Der Arztdistrikt wurde bis 1921 von folgenden Ärzten geleitet.[5]

  • 1838–1850: Johannes Haberdorff Lytzen
  • 1851–1855: Andreas Steener Iversen Haalland
  • 1855–1862: Ludvig Henrik Prosch
  • 1863: Johan Heinrich Gundelach
  • 1863–1864: Anthon Peter Christian Tegner (interim)
  • 1864–1871: Johan Heinrich Gundelach
  • 1872–1877: Otto Jessen
  • 1877–1882: Hugo Otto Johannes Schmedes
  • 1882–1892: Carl Ludvig Theodor Ibsen Lindemann
  • 1892–1897: Fritz Emil Thorvald Jørgensen
  • 1897–1903: Gustav Axel Nielsen Meldorf
  • 1903–1906: Henrik Deichmann
  • 1906–1910: Regnar Vilhelm Gerhard Bentzen
  • 1910–1911: Carl Martin Norman-Hansen (interim)
  • 1911–1916: Regnar Vilhelm Gerhard Bentzen
  • 1916–1917: Holger Lützhøft Christensen (interim)
  • 1917–1921: Regnar Vilhelm Gerhard Bentzen

Wirtschaft

Qaqortoq hat eine ausgeprägte Wirtschaftsstruktur. In der Stadt liegen unter anderem eine Gerberei und eine Näherei der Firma Great Greenland, in der Seehundfelle verarbeitet werden, sowie viele weitere kleine Handwerksunternehmen. Dazu spielen traditionell auch der Fischfang und die Robbenjagd eine Rolle in Qaqortoq, ebenso wie der Tourismus. Qaqortoq gilt als einer der schönsten Orte des Landes und auch die nahegelegenen mittelalterliche Kirchenruine von Hvalsey in Qaqortukulooq zieht Touristen an.[6]

Infrastruktur und Versorgung

Der Hafen von Qaqortoq liegt in der engen Bucht Umiarsualivik, weswegen dort keine großen Schiffe anlanden können, sondern maximal die kleineren Fähren der Arctic Umiaq Line. Es werden daher Möglichkeiten zur Anlage eines Seehafens geprüft. Qaqortoq hat ein gut ausgebautes Straßennetz. Der inländische Verkehr erfolgt mit Booten, Schiffen und über den Heliport Qaqortoq. Der Bau des Flughafens in Qaqortoq wurde 2018 beschlossen. Der Regionalflughafen wird sechs Kilometer nördlich der Stadt errichtet werden.

Qaqortoq hat seit 2009 ein vollständig ausgebautes Abwasserleitungsnetz. Der Müll der Stadt wird auf der Müllhalde westlich der Stadt deponiert oder verbrannt. Nukissiorfiit versorgt Qaqortoq über das Wasserfallkraftwerk in Qorlortorsuaq mit Strom. Die Wärmeversorgung erfolgt größtenteils durch die Restwärme der Müllverbrennung oder Stromproduktion sowie durch Ölöfen. Trinkwasser wird durch ein 1961 errichtetes und 2010 renoviertes Wasserwerk aus dem Tasersuaq gewonnen. TELE Greenland ist für die Telekommunikation in Qaqortoq zuständig. Das Unterseekabel Greenland Connect endet in Qaqortoq, welches schnelles Internet in Grönland ermöglicht.[3]

Bebauung

Qaqortoq ist ein wichtiges Bildungszentrum in Grönland. Die Volksschule Tasersuup Atuarfia unterrichtet über 400 Schüler und wurde Anfang der 2010er Jahre grundmodernisiert. Ihr angeschlossen ist eine Sonderschule für geistig oder körperlich behinderte Kinder. Die Stadt hat zudem eine Zweigstelle des Mittelgrönländischen Gymnasiums (GUX), die die gesamte Kommune abdeckt. Es gibt zudem eine Niederlassung der grönländischen Berufsschulen (Piareersarfik) und eine Zweigstelle der Handelsschule Niuernermik Ilinniarfik in Nuuk sowie eine der beiden grönländischen Hochschulen, die Sulisartut Højskoliat. In der Stadt befinden sich vier Kindertagesstätten und das 1996 eröffnete Altenheim Ajasivarsik.

Frelserens Kirke im August 2016
Qaqortoq, Marktplatz mit Springbrunnen von Pavia Høegh

In Qaqortoq gibt es zwei Filialen von Brugseni, zwei von Pisiffik, drei von Spar, und je eine Torrak- und JYSK-Filiale, die die Bewohner mit Waren versorgen. In der Stadt befinden sich zudem ein Hotel, ein Restaurant, das Qaqortoq-Museum, ein Postgebäude und die Kommunalverwaltung. Die alte Annaassisup Oqaluffia (Frelserens Kirke) aus dem Jahr 1832 hat im Inneren den Rettungsring der Hans Hedtoft hängen, über einer Gedenktafel, die an die Opfer des Untergangs des Schiffs im Jahr 1959 erinnert, bei dem unter anderem die Politiker Augo Lynge und Carl Egede ums Leben gekommen waren. Die jüngere Kirche, die nach Gertrud Rask benannt ist, stammt aus dem Jahr 1973. Qaqortoq ist damit eine von drei grönländischen Städten mit zwei Kirchen. Im Stadtzentrum liegt ein 1932 von Pavia Høegh angelegter Springbrunnen, dem einzigen des Landes. Um ihn herum liegen die ältesten und denkmalgeschützten Gebäude der Stadt, von denen das älteste aus dem Jahr 1797 stammt. Pavia Høeghs Enkelin Aka Høegh initiierte Mitte der 1990er Jahre das Kunstprojekt „Sten og Menneske“ (deutsch Stein und Mensch), bei dem 18 skandinavische Künstler Skulpturen und in Granit gehauene Wandreliefs schufen.[3][6]

Söhne und Töchter der Stadt

Bevölkerungsentwicklung

Die Einwohnerzahl von Qaqortoq liegt seit Mitte der 1980er Jahre relativ konstant bei etwa 3100 Personen. Damit ist sie die größte Stadt Südgrönlands und die fünftgrößte Stadt des Landes.[7]

Panorama

Weblinks

 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wikivoyage: Qaqortoq – Reiseführer

Einzelnachweise

  1. Karte mit allen offiziellen Ortsnamen bestätigt vom Oqaasileriffik, bereitgestellt von Asiaq
  2. Julianehåb in Den Store Danske
  3. a b c Qaqortoq bei kujalleq2017.odeum.com
  4. Qaqortoq in Den Store Danske
  5. a b c A. Bertelsen, O. B. Bøggild, H. Bryder, R. Hammer, J. Krogh, H. Ostermann, Morten P. Porsild, K. Rasmussen, K. Stephensen: Grønland i tohundredeaaret for Hans Egedes landig. In: G. C. Amdrup, Louis Bobé, Ad. S. Jensen, H. P. Steensby (Hrsg.): Meddelelser om Grønland. Band 61. C. A. Reitzel Boghandel, Kopenhagen 1921, S. 558 f. ([1]).
  6. a b Qaqortoq bei groenlandkreuzfahrt.de
  7. Einwohnerzahl Qaqortoq 1977–2018 bei bank.stat.gl
Original: Original:

https://de.wikipedia.org/wiki/Qaqortoq