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Fischerei nach dem Fang
Oder auch die Verwertung des Fangs
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Ist der Fischfangversuch von Erfolg gekrönt gewesen, stellt sich nun die Frage, was mit diesem Fang geschehen soll. Im industriellen Fischfang mit Fabrikschiffen wird der Inhalt der Netze, zumeist Schleppnetze, einer hochgradig automatisierten Verarbeitung direkt an Bord des Schiffes zugeführt, an deren Ende unterschiedliche Produkte stehen. Kleinere Fahrzeuge bringen ihren Fang entweder bereits filetiert und tiefgefroren oder nur tiefgefroren an Land, teilweise wird Frischfisch aus dem Meer auch nur gekühlt angelandet. In der Süßwasserfischerei wird der Fang meist vor Ort zeitnah weiterverarbeitet.
Die meisten Angler verwerten ihren Fang im eigenen Haushalt, sei es, dass sie den frischen Fisch auf unterschiedlichste Weise zubereiten oder mehrere Fänge konservieren um eine größere Menge Fischfleisch auf einmal verarbeiten zu können. Im Gegensatz dazu steht das Verhalten mancher Angler, die nur auf Trophäenjagd, auf englisch auch als Specimen Hunting zu bezeichnen, aus sind. Hier wird besonders großes Exemplaren einer Fischart nachgestellt, bei denen das Fangerlebnis mitsamt Wiegen und Messen das eigentliche Ziel darstellt und bei denen keine weitere Verwertung geplant ist. Dies ist in Deutschland aus tierschutzrechtlicher Sicht eine bedenkliche aber aus wirtschaftlicher Sicht eine sinnvolle (große Fische locken Angeltouristen an) und aus biologischer Sicht, einige Rücksicht gegenüber dem Lebewesen Fisch vorausgesetzt, eine meist unkritische Praxis (in manchen Gewässern tragen Karpfen Namen, da sie anhand von Schuppenmustern oder anderen Merkmalen wiedererkannt werden können und mehrfach in einer Saison gefangen und wieder freigelassen werden).

Berufsfischerei
Industrielle Hochseefischerei


Der Fang aus der industriellen Hochseefischerei wird bei Fabrikschiffen sofort an Bord verarbeitet, ist eine Fischfangflotte unterwegs, so übergeben die Fangboote ihren Fang dem Mutterschiff, dass dann die Verarbeitung übernimmt. In beiden Fällen durchlaufen die gefangenen Meerestiere hochgradig automatisierte Verarbeitungsstraßen. Bei größeren Speisefischen werden oft Filets geschnitten, die dann in Blöcken eingefroren werden, aus diesen Blöcken werden dann später beispielsweise Fischstäbchen ausgesägt. Die Reste können ebenfalls an Bord noch zu Fischmehl verarbeitet werden. Diese Verarbeitung zu Fischmehl kann auch der einzige Grund für den Fang sein, wenn beispielsweise kleinen Fischarten und Krebsen, die in großen Schwärmen vorkommen (Lodde, Sardellen, Krill...), nachgestellt wird. Solche Fabrikschiffe sind für die Verarbeitung von mehreren hundert Tonnen Fang pro Tag ausgelegt.

Sonstige Hochseefischerei


Fischereischiffe, die nicht so groß sind, verarbeiten dennoch ihren Fang zumindest teilweise an Bord. Auch hier sind automatische Filetierungsmaschinen zu finden, die Filets für tiefgekühlte Filetblöcke liefern, doch es werden auch ganze Fische für den Frischfischmarkt oder fischereiliche Nebenerzeugnisse (wie den in manchen Ländern als Delikatesse angesehenen Rogen unterschiedlicher Arten) angelandet.

Küsten- und sonstige Berufsfischerei


Die Küstenfischerei kennt nicht die langen Fangfahrten, wie sie in der Hochseefischerei vorkommen. Meistens sind die Fahrzeuge nur zwischen 3 und 10 Tage auf See (im Gegensatz zu manchmal mehrere Monate dauernden Fahrten der Hochseefischereifahrzeuge), teilweise wird auch nur tagesweise rausgefahren. Durch diese kurzen Zeiten kann der meiste Fang nur gekühlt, nicht tiefgefroren, und in der Gestalt ganzer Fische in den Hafen gebracht werden, wo er teilweise direkt vom Kutter aus verkauft wird, andernfalls gelangt er meistens in Fischauktionen.
Die gewerbliche Fischerei im Süßwasser handelt ähnlich. Durch die Nähe der Fanggewässer zu Transportwegen wird der Fang von den Fischern fast immer zu einer nahe gelegenen Verarbeitungsrichtung verbracht, so diese Fischer denn nicht selbstständig die Fänge vermarkten.

Angelei

Ein Mensch, der angelt, tut dies aus unterschiedlichen Motiven. In früheren Zeiten, und teilweise noch heute, beispielsweise in nicht industrialisierten Kulturen,ist das Ziel der Angelei der Nahrungserwerb im Rahmen einer Subsistenzfischerei. In Gegenden, wo der Angler nicht auf den Fang zum Überleben angewiesen ist, treten andere Motive in den Vordergrund. Abgesehen davon, dass auch in diesem Fall der Wunsch nach einer Fischmahlzeit noch die Hauptmotivation darstellen kann, suchen viele Angler nur das Erlebnis des Fangs. Liegt dann ein hoffentlich großer Fisch vor ihnen, so wird dieser gewogen, gemessen, mit dem Fänger fotografiert und dann meistens wieder in das Gewässer zurückgegeben.
Es gibt Studien, wonach Angler bedingt durch ihre Aktivitäten am Gewässer, vermehrt "gutartigen" Stress, denn sogenannten Eustress, empfinden, somit kann salopp gesagt werden, dass man durch das Glück eines schönen geangelten Fangs sein Leben verlängert oder zumindest etwas für seine Gesundheit tut!

Verwendungen von Fischen und Fischprodukten

Fischfleisch und andere Fischprodukte können in vielfältigen Anwendungen verwendet werden. Ganze Wirtschaftszweige mit ungezählten Arbeitsplätzen oder gar Regierungen hängen vom Fischfang ab, weswegen es auch bereits zu kriegsähnlichen Kampfhandlungen um Fischgründe und unzählige auch andauernde politische Konfrontationen gab und gibt, beispielhaft seien hier die Kabeljaukriege und der Buttkrieg genannt.

Nahrungsferne Verwendungen

Ein beträchtlicher Anteil des Gesamtfischfangs auf der Welt gelangt als Fischmehl in Tierfutter für die Massentierhaltung, sei es nun die Haltung von Geflügel, Milchtieren oder auch Aquakultur – gerade die Lachszucht verbraucht hohe Mengen an Tiermehlen, meistens aus Fisch.
Aus Fischlebern, beispielsweise vom Dorsch oder manchen Haien, kann Tran gewonnen werden, der einerseits als Nahrungsergänzungsmittel eine Rolle spielt(e), andererseits beispielsweise als Feinmechanikschmiermittel Verwendung findet. Das Squalen oder das daraus chemisch erzeugte Squalan aus diesem Tran ist ebenfalls ein hochgeschätztes Produkt, dass vielfältige Verwendungszwecke findet, als Adjuvans in Impfstoffen zwecks Wirkungsverstärkung über Kosmetika und als alternativmedizinischer (ohne wissenschaftliche nachgewiesener Wirkung) Wirkstoff gegen Krebserkrankungen bis hin zu technischen Anwendungen beispielsweise als Transformatorenöl.
Die Haut mancher Fischarten wird gar als Leder verarbeitet, in Norwegen lassen sich beispielsweise Geldbörsen aus Seewolfleder erwerben. Haihaut kann aufgrund der Placoidschuppen als Schmirgelpapier für Holzarbeiten verwendet werden.
Ganze Fische und Erzeugnisse aus vielen Wasserorganismen werden in der wissenschaftlichen Forschung verwendet, bei Tierversuchen, als Modellorganismen oder als Quelle für wichtige Gene, Enzyme und andere Chemikalien.

Als menschliches Nahrungsmittel


Fisch und Meeresfrüchte waren schon immer ein sehr wichtiger Bestandteil der menschlichen Ernährung, wenn die Umwelt es erlaubte, an solche Tiere zu gelangen. Manche Völker konnten sich fast zur Gänze mit Fischen, Muscheln, Krebstieren und anderen Wasserorganismen ernähren.
Die auch heutzutage noch völlig ungebrochene Liebe zum Fischverzehr zeigt sich einerseits an den steigenden Fangmengen (Fische erkranken eben nicht an BSE oder Schweinepest und haben oft eine Ruf der Schadstofffreiheit, wenn man das jetzt mal mit den Fleischskandalen mit Antibiotikarückständen im Schweine-, oder Kalbsfleisch vergleicht) und andererseits an den unzähligen Zubereitungsrezepturen, die es gibt.
Fisch wird gebraten, gekocht, gedämpft, getrocknet, geräuchert, gepökelt, eingelegt, fermentiert (Surströmming, Hákarl und diverse Fischsaucen aus Südostasien auf Basis von Pla Raa oder dem alten Rom [Garum!]) oder einfach nur roh verzehrt. Fisch wird als Grundnahrungsmittel, als Arme-Leute-Essen, vergleichbar mit dem Brot in Europa, angesehen und verzehrt, in anderen Gegenden sind Fisch und Meeresfrüchte eine kostbare Delikatesse, für die gerne mehrere Tausend Euro pro Kilogramm Fleisch bezahlt werden.

Fischhaltung

Nicht jedes Wassertier wird gefangen um es zu töten. Ein ziemlich großer Wirtschaftszweig beschäftigt sich mit der aquaristischen Haltung von Wassertieren aus kulturellen Gründen.

Fischfang und die Umwelt

Ein sehr großer Anteil der fischereilich genutzten oder auch nur beeinflussten Populationen von Wasserlebewesen ist heutzutage, zu Beginn des 21. Jahrhunderts, einem extrem hohem Druck ausgesetzt. Die Bestände vieler Arten können diesem Druck nicht standhalten: sie sind überfischt. Galt beispielsweise noch im 19. Jahrhundert der Kabeljaustamm auf der Neufundlandbank als unerschöpflich - es soll ausgereicht haben, Weidenkörbe an Seilen in die Tiefe zu lassen um sich eine Mahlzeit zu fangen -, oder gab es in der europäischen Antike ein Sprichwort „Fische nach dem Hellespont tragen“ (Das modern Äquivalent lautet „Eulen nach Athen tragen“), so kann der Bestand an Blauflossen-Thunfisch im Mittelmeer heute als biologisch ausgestorben angesehen werden (es gibt vermutlich nicht mehr ausreichend geschlechtsreife Tiere, um eine stabile Population aufzubauen). Fast genauso schlimm steht es um die Kabeljaue vor Neufundland: die strengen Schutzregeln Kanadas schränken zwar die Fischerei soweit ein, dass die Kabeljau-Population sich theoretisch erholen könnte. Dies tritt aber kaum ein, weil die zuvor von den Kabeljauen als Futterfische erbeuteten und durch den Wegfall der Räuber in den Bestandsgrößen stark angewachsenen Lodden und Heringe nun den Laich der Kabeljaue fressen. Profitieren tun von dieser Situation allerdings Rochen und kleinere Haie, ihnen wird fischereilich kaum nachgestellt und sie nutzen einen Teil der zuvor von Gadus morhua belegten Nahrungsressourcen.
Es sind mit Sicherheit internationale Abkommen zum Schutz der Meere und der Fischerei nötig, um auch noch für spätere Generationen die Möglichkeit zu erhalten, regelmäßig Fisch und Wassertiere zu verzehren. Doch leider versagt die Politik hierbei noch größtenteils.

Ausblick

Ein erfolgreicher Fischzug ist stets der Anfang einer mehr oder weniger langen Verwertungskette, an der viele kulturelle und wirtschaftliche Errungenschaften des Menschen hängen. Ohne Fische wäre die Menschheit nicht das, was sie ist und hätte es nie werden können; dies sollte man sich bei jedem Verzehr eines leckeren Fischgerichts in Erinnerung rufen.

Außerdem darf man nicht vergessen:
nach dem Fang ist vor dem Fang!
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