Jonathan Motzfeldt

Jonathan Motzfeldt (2003)
Jonathan Motzfeldt (2008)

Jonathan Jacob Jørgen Otto Motzfeldt (* 25. September 1938 in Qassimiut; † 28. Oktober 2010 in Nuuk) war ein grönländischer Politiker (Siumut) und Pastor. Nach Einführung der Autonomie war er von 1979 bis 1991 der erste Premierminister des Landes. 1997 bis 2002 war er erneut Regierungschef. Er zählt zu den prägenden Gestalten der neueren Geschichte Grönlands.

Leben

Familie

Jonathan Motzfeldt war der Sohn des Jägers Søren Gudmund Theophilus Motzfeldt (1902–1984) und dessen Frau Kirsten Klementine Sofie Klemmensen (1904–1979).[1] Am 18. Dezember 1965 heiratete er in Kopenhagen die Dänin Margit Koch Petersen (* 1945), Tochter von Hans Petersen (1905–?) und Ellen Margrethe Jørgensen (1912–?). Die Ehe wurde später wieder geschieden. Am 9. August 1992 heiratete er die Isländerin Kristjana Guðrún Guðmundsdóttir (* 1951), Tochter von Guðmundur Kristjánsson (1917–1980) und Hanna Lillý Isaksen (1916–2007).[2][3] Der Handballspieler Hans Peter Motzfeldt-Kyed ist sein Neffe.

Leben bis 1979

Er schloss 1960 sein Lehrerexamen an Grønlands Seminarium ab. Anschließend studierte er bis 1966 Theologie an der Universität Kopenhagen.[2] Im selben Jahr wurde er als Pastor in Alluitsup Paa eingesetzt. 1969 wechselte er nach Qaqortoq, wo er bis 1979 im Amt blieb.[4]

Während seiner Studienzeit war er von 1962 bis 1963 Mitglied den Studentenrats in Kopenhagen. Von 1962 bis 1964 war er zudem Vorsitzender der Grönländervereinigung Kalâtdlit.[4] Ab 1971 engagierte sich Jonathan Motzfeldt zusammen mit Lars Emil Johansen und Moses Olsen in der linksorientierten Selbständigkeitsbewegung Sujumut.[5] Im selben Jahr ließ er sich für die Wahl zu Grønlands Landsråd aufstellen und wurde gewählt. Von da an war er auch Mitglied des Grønlandsrådets.[2] 1973 wurde er Mitglied des Hjemmestyreudvalgs, der die grönländischen Wünsche für die Autonomie formulieren sollte.[4] 1975 wurde er im Landesrat wiedergewählt, zum Vizelandesratsvorsitzenden ernannt und er wurde Mitglied der Hjemmestyrekommission. 1977 entstand aus der Selbstständigkeitsbewegung Sujumut die Partei Siumut und Jonathan Motzfeldt wurde zum Parteivorsitzenden gewählt, was er mit kleineren anfänglichen Unterbrechungen bis 1987 blieb.[2]

Erste Amtszeit als Premierminister

1979 wurde in Grönland die Hjemmestyre eingeführt, die Grönland erstmals Autonomie zukommen ließ. Jonathan Motzfeldt wird als eine der bedeutendsten Kräfte in diesem Prozess gesehen. Bei der ersten Wahl zum Inatsisartut wurde er zum Premierminister ernannt. 1983, 1984 und 1987 wurde er jeweils wiedergewählt. Nebenher war er auch von 1979 bis 1988 Parlamentspräsident. 1987 wurde er als Parteivorsitzender abgewählt und von Lars Emil Johansen abgelöst. Im Folgejahr gab er das Amt des Parlamentspräsidenten an Lars Chemnitz, da man wünschte, dass dieses nicht auch vom Premierminister ausgeübt wird. 1991 verlor er das Amt des Premierministers ebenfalls an seinen Parteikollegen Lars Emil Johansen.[2]

Zweite Amtszeit als Premierminister

1997 wurde er noch einmal für kurze Zeit Parlamentspräsident, bevor er im selben Jahr das Amt des Premierministers wieder von Lars Emil Johansen übernahm, der freiwillig zurückgetreten war. 1998 wurde er erneut Parteivorsitzender. 1999 wurde er als Premierminister wiedergewählt. 2002 wurde er als Parteivorsitzender vom bis dahin relativ unbekannten Hans Enoksen abgelöst, der im selben Jahr auch Premierminister wurde. Stattdessen wurde Jonathan Motzfeldt erneut Parlamentspräsident.[2] 2006 wurde er Mitglied des Selvstyrekommission, die die Selvstyre von 2009 vorbereiten sollte, durch die Grönland noch mehr Autonomie erhielt.[6] 2008 trat er vom Amt des Parlamentspräsidenten zurück, als ihm ein sexueller Übergriff auf eine Frau in seinem Haus vorgeworfen wurde.[7] Im Folgejahr wurde er nicht erneut ins Inatsisartut gewählt. Damit schied er nach 38 Jahren ununterbrochener Zugehörigkeit zum Landesrat und Inatsisartut aus dem Parlament aus.[8]

Ehrungen

Jonathan Motzfeldt war der höchstdekorierte Grönländer aller Zeiten.[5] Er war ab 1978 Ritter des Dannebrogordens und ab 2003 Kommandeur 1. Grades dessen.[2] Am 1. Mai 1989 erhielt er den Nersornaat in Gold.[9] Dazu war er Träger des Großen Bundesverdienstkreuzes mit Stern, Kommandeur des schwedischen Nordstern-Ordens, Kommandeur mit Stern des norwegischen Verdienstordens und des isländischen Falkenordens sowie Träger des belgischen Kronenordens. Außerdem war er Ehrendoktor der Politikwissenschaft an der University of Alaska Fairbanks.[5][10][4]

Er starb am 28. Oktober 2010 im Alter von 72 Jahren in Nuuk an einer Hirnblutung, nachdem er bereits länger an Krebs litt und zuletzt wegen einer Lungenentzündung ins Krankenhaus eingeliefert worden war.[11]

Trivia

Jonathan Motzfeldt sollte am 25. Oktober 1973 an einer Ausschusssitzung teilnehmen, aber Lars Emil Johansen bot sich als Vertreter an. Letztlich entschied er sich doch dafür, bei der Sitzung präsent zu sein und stornierte sein Flugticket. Der Hubschrauber stürzte an diesem Tag ab, wobei alle 15 Insassen, darunter seine Kollegen Johan Knudsen und Jørgen Poulsen ums Leben kamen.[12]

Siehe auch

Literatur

Weblinks

 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Kirchenbücher Qaqortoq 1916–1927 (Verheiratete S. 146)
  2. a b c d e f g Biografie im Dansk Biografisk Leksikon
  3. Nachruf für Lillý Kristjánsson im Morgunblaðið
  4. a b c d Torben Lodberg: Grønlands Grønne Bog 1988. Hrsg.: Grønlands hjemmestyres informationskontor. Kopenhagen 1988, ISBN 87-982902-9-0, S. 56.
  5. a b c Jonathan Motzfeldt. In: Mark Nuttall (Hrsg.): Encyclopedia of the Arctic. Routledge, New York/London 2005, ISBN 978-1-136-78680-8, S. 1323 f. (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  6. Biografie in Den Store Danske
  7. Motzfeldt går af efter sex-skandale im Ekstra Bladet
  8. Skandaleramte Motzfeldt er dømt ude in der Politiken
  9. Jan René Westh: Ordenshistorisk Tidsskrift. Hrsg.: Ordenshistorisk Selskab. Band 36, Dezember 2010, ISSN 0904-5554, S. 65 f.
  10. Om Jonathan Motzfeldt in der Tidsskriftet Grønland (2011/1)
  11. Jonathan Motzfeldt er død in der Sermitsiaq
  12. Landsrådets næstformand afbestilte plads i flyet in der Atuagagdliutit vom 8. November 1973
Original: Original:

https://de.wikipedia.org/wiki/Jonathan_Motzfeldt