Ilulissat

Ilulissat (Eisberge)
Jakobshavn (Jakobshafen)
Ilulíssat
Ilulissat (2012)
Ilulissat (2012)
Kommune Avannaata Kommunia
Distrikt Ilulissat
Geographische Lage 69° 12′ 59″ N, 51° 6′ 0″ WKoordinaten: 69° 12′ 59″ N, 51° 6′ 0″ W
Ilulissat (Grönland)
Ilulissat
Einwohner 4.554
(1. Januar 2019)
Gründung 1741
Zeitzone UTC-3

Ilulissat [iluˈlisːatˢʰ] (nach alter Rechtschreibung Ilulíssat; dänisch Jakobshavn) ist eine grönländische Stadt im Distrikt Ilulissat in der Avannaata Kommunia. Sie ist die drittgrößte Stadt des Landes und Hauptort des Distrikts und der Kommune. Vor der Kommunalreform 2018 war Ilulissat zudem bereits der Hauptort der Qaasuitsup Kommunia.

Lage

Ilulissat liegt im Südwesten der Halbinsel Paakitsup Nunaa, die durch den Fjord Paakitsoq/Paakitsup Ilorlia im Norden und den Sikuiuitsoq im Osten begrenzt wird. Etwas südlich von Ilulissat verläuft der in die Diskobucht mündende Ilulissat-Eisfjord (Kangia), der seit 2004 UNESCO-Weltnaturerbe ist. 14 km nördlich liegt die nächste Siedlung Oqaatsut und 15 km südlich Ilimanaq.[1]

Geschichte

Ilulissat (1999)
Ilulissat (2003)

Ilulissat wurde 1741 von Jacob Severin gegründet. Auf ihn geht auch der dänische Name der Stadt zurück. 1781 erhielt sie den Koloniestatus. Der älteste Teil der Stadt liegt an der Nordküste zwischen dem Krankenhaus und dem Hafen. Als die Stadt im Laufe der Jahrhunderte vor allem gen Süden wuchs, nahm sie drei Wohnplätze in der Umgebung ein. Im Norden des südwestlichen Teils von Ilulissat lag früher die Siedlung Pitoqqeq (oder Pitoqqik), die bereits Anfang des 20. Jahrhunderts als Teil von Ilulissat gesehen wurde.[2] Im äußersten Südwesten lag vor dem Berg südlich der Stadt Illumiut. Illumiut hatte 1918 70 Einwohner, die in 13 Häusern lebten. 1930 wurden 98 Bewohner gezählt und 1952 132 Personen. In den 1930er Jahren wurde eine eigene Schule in Illumiut gebaut. Trotz Bestrebungen der Bevölkerung wurde ihnen ein Laden verwehrt. Illumiut wuchs Mitte des 20. Jahrhunderts mit Ilulissat zusammen.[3] An der Landspitze auf dem Berg befand sich früher zudem die Siedlung Kingittoq, die ebenfalls als Teil von Ilulissat wahrgenommen wurde. Dort lebten 1918 25 Menschen in vier Häusern. Während der 1920er Jahre wurde dieser Wohnplatz aufgegeben.[4] Zum Tal einen Kilometer südöstlich von dort führt ein Pfad von Ilulissat aus. Dort befand sich bis 1850 die Siedlung Sermermiut, die bereits von den ersten Inuit-Kulturen vor viertausend Jahren bewohnt worden war.[5] Die Stelle, an der Ilulissat heute liegt, diente schon lange zuvor als Sommerplatz für der Bewohner von Sermermiut. Heute erstreckt sich das Stadtgebiet über die gesamte Ebene südlich des alten Stadtkerns sowie zu einem kleinen Stück nördlich der fjordähnlichen Bucht Qinngunnguit. Zweieinhalb Kilometer nordöstlich des Stadtkerns liegt nördlich des Fjords Itisuarsuk der Flughafen.[2]

Liste der Kolonialangestellten bis 1921

Kolonialverwalter

Folgende Personen waren bis 1921 als Kolonialverwalter der Kolonie Jakobshavn tätig.[6]

  • 1746–1752: Bent Jacobsen Lund und Carl Christopher Dalager
  • 1752–1753: Jonas Lillienschiold de Svanenhielm
  • 1753–1754: Christen Larsen Bjørn
  • 1754–1757: Joachim Holm
  • 1757–1771: Peter Lorentz Hind
  • 1771–1784: Carl Christopher Dalager
  • 1784–1788: Jens Peter Hansen Glomstad
  • 1788–1791: Marcus Nissen Myhlenphort
  • 1791–1795: Caspar Gottlieb Lidemark
  • 1795–1799: Jens Christian Arentz
  • 1799–1800: Niels Larsen Lunde
  • 1800–1801: Jens Christian Arentz
  • 1801–1802: Christian Jeppesen Møller
  • 1802–1803: Christian Friedrich Hount
  • 1803–1804: Edvard Christie Heiberg
  • 1804–1808: Christian Friedrich Hount
  • 1808–1816: Christian Frederik Rousing
  • 1816–1830: Johannes Winding
  • 1830–1831: Hans Rosing
  • 1831–1832: Christian Ferdinand Plum
  • 1832–1834: Peder Goische Kirchheiner
  • 1834–1852: Hans Rosing
  • 1852–1859: Emilius von Bülow
  • 1859–1877: Knud Geelmuyden Fleischer
  • 1877–1878: Anthon Frederik Søren Møldrup
  • 1878–1887: Ernst Viggo Møller
  • 1887–1890: Jakob Magnus Christian Bang
  • 1890–1891: Otto Alexander Juncker
  • 1891–1892: Carl Frederik Myhre
  • 1892–1901: Poul Müller
  • 1901–1902: Einar Andersen (interim)
  • 1902–1912: Anders Peter Olsen
  • ab 1912: Johan Madsen Krogh

Missionare und Pastoren

In der Kolonie waren bis 1921 folgende Missionare und Pastoren tätig. Von 1755 bis 1760 war der Missionar der Kolonie Christianshaab zuständig. Von 1795 bis 1797 lebte der Missionar in der Kolonie Egedesminde. Von 1816 bis 1817 gab es keinen Missionar in ganz Nordgrönland. Von 1832 bis 1846 war der Missionar der Kolonie Egedesminde zuständig.[6]

  • 1752–1754: Peder Egede
  • 1754–1755: Nicolai Lassen
  • 1760–1763: Christen Hansen Fabricius
  • 1764–1772: Jørgen Sverdrup
  • 1772–1773: Hans Hansen Tulle (interim)
  • 1773–1787: Jørgen Sverdrup
  • 1787–1790 Caspar Grewe
  • 1790–1792: Frederik Christian From
  • 1792–1795: Rudolph Friederich Lassen
  • 1795–1797: Rudolf Friederich Lassen
  • 1797–1801 Hans Peter Jansen
  • 1801: Jakob Mathias Fugl
  • 1802–1813: Eskild Sønnichsen Bram
  • 1813–1816: Bernhard Hartz
  • 1817–1823: Johannes Jacob Kjeld Løchte
  • 1823–1830: Christen Praëm
  • 1830–1832: Johan Christian Vilhelm Funch
  • 1846–1850: Gottfried Martin Quirinus Christophersen
  • 1850–1851: Knud Diderik Nøsted
  • 1851–1858: Jacob Frederik Rudolph Wolf
  • 1858–1863: Niels Oeter Simonsen
  • 1863–1869: Ulrik Peter Christian Nissen
  • 1869–1870: Osvald Vilhelm Bøggild (interim)
  • 1870–1872: Ulrik Peter Christian Nissen
  • 1872–1875: Thøger Sørensen
  • 1875–1877: Osvald Vilhelm Bøggild
  • 1877–1884: Christian Vilhelm Rasmussen
  • 1884–1885: Severin Christian Tobias Simeon Mørch (interim)
  • 1885–1891: Christian Vilhelm Rasmussen
  • 1891–1893: Poul Hansen Vibæk (interim)
  • 1893–1895: Christian Vilhelm Rasmussen
  • 1895–1899: Poul Hansen Vibæk
  • 1899–1900: Carl Ferdinand Wagner
  • 1900–1907: Mads Rasmussen
  • 1907–1921: Hother Ostermann

Ärzte

Der Arztdistrikt Jakobshavn umfasste anfangs ganz Nordgrönland. 1905 wurde der nördliche Teil des Landesteils ausgelagert. Ab 1916 umfasste der Arztdistrikt nur noch die Kolonialdistrikte Jakobshavn, Ritenbenk und Christianshaab.[6]

  • 1793–1794: Theodor Christian Eulner
  • 1832–1838: Johannes Haberdorff Lytzen
  • 1839–1854: Christian Nicolai Rudolph
  • 1854–1876: Christian Georg Frederik Pfaff
  • 1876–1881: Lambert Christian von Haven
  • 1882–1883: Holger Sverdrup Kiær
  • 1883–1884: Morten Hastrup
  • 1884–1889: Niels Jacob Jacobsen
  • 1889–1899: Holger Sverdrup Kiær
  • 1899–1904: Regnar Vilhelm Gerhard Bentzen
  • 1904–1905: Alfred Bertelsen
  • 1905–1909: Holger Sverdrup Kiær
  • 1909–1910: Peter Johannes Poulsen Fischer-Nielsen (interim)
  • 1910–1911: Harald Christian Larsen (interim)
  • 1911–1912: Niels Julius Eilertsen (interim)
  • 1912–1913: Stephan Vilhelm Barchalia
  • 1913–1916: Peter Christen Sørensen
  • 1916–1917: Hjalmar Mobell Borchersen (interim)
  • 1917–1919: Peter Christen Sørensen

Wirtschaft

Das wichtigste wirtschaftliche Standbein neben dem Fischfang ist in Ilulissat der Tourismus. Viele Tausend Touristen besuchen jährlich die Stadt, die damit noch vor Nuuk die wichtigste Tourismusdestination des Landes bildet. Die Touristen können hier unter anderem die Stadt besichtigen, in den Bergen wandern, segeln, Hundeschlitten fahren und den Eisfjord besuchen. Es gibt mehrere Tausend Schlittenhunde in Ilulissat.

Die meisten Arbeitsplätze bieten in Ilulissat die Verwaltung, der Dienstleistungssektor, der Handel und Reparaturhandwerk. Weitere größere Arbeitsbereiche sind der Transport und die Fischerei, die den größten Teil der Erwirtschaftungen von Ilulissat ausmacht. Besonders Schwarzer Heilbutt und Garnelen werden gefangen und in der Fischfabrik von Royal Greenland verarbeitet.[2]

Infrastruktur und Versorgung

Der Flughafen Ilulissat löste 1983 den alten Heliport ab, der sich früher im Süden der Stadt befand.[2] Direkt anschließend an die momentane Landebahn soll eine neue deutlich längere Landebahn errichtet werden, durch die der Flughafen Ilulissat zum internationalen Flughafen für ganz Nordgrönland ausgebaut werden soll.[7]

Der Hafen von Ilulissat wird für Kreuzfahrtschiffe, für die Fischfabrik, für Trawler und Personenverkehr genutzt.

Ilulissat verfügt über ein ausgebautes asphaltiertes Straßennetz, das sich um die Hauptstraße Kussangajaannguaq zieht. Schlittenspuren führen aus der Stadt heraus.

Die Stadtversorgung mit Strom, Wasser und Wärme erfolgt durch Nukissiorfiit. Der Strom wird teilweise seit 2012 durch ein Wasserkraftwerk erzeugt, der Rest durch ein Dieselkraftwerk. Am Hafen befindet sich eine Tankanlage. Die Wasserversorgung erfolgt über die Seen, die sich in der Nähe der Stadt befinden. Ein Teil der Stadt ist an die Kanalisation angeschlossen. Abwässer werden ins Meer geleitet, während Müll deponiert und verbrannt wird. TELE Greenland ist für die telekommunikative Anbindung verantwortlich. Im Osten liegt ein Steinbruch, der ehemals der Asphaltproduktion diente.[2]

Bebauung

Wohnhäuser in der Mathias Storchip Aqqutaa (2008)

Ilulissat verfügt über mehrere Hotels, Restaurants, Cafés, Läden, Schulen und Diskotheken. Zudem gibt es unter anderem einen Fußballplatz und eine Sporthalle. Das Krankenhaus ist für die ganze Region zuständig, da die kleinen Dörfer alle nur Krankenstationen haben. Es gibt ein Altenheim, das Unganartoq Plejecenter Ilulissat, sowie eine Vielzahl an Kinderkrippen und Kindergärten. Die zwei Schulen sind die Atuarfik Mathias Storch und die Atuarfik Jørgen Brønlund, die beide bis zur 10. Klasse unterrichten. Ilulissat ist zudem der Standort des Perorsaanermik Ilinniarfik (Grønlands Socialpædagogiske Seminarium).

In Ilulissat liegen die Zionskirche und die alte Kirche aus Qullissat. Das Ilulissat-Museum liegt in der ehemaligen Pastorenwohnung, in der auch Knud Rasmussen geboren wurde. Zahlreiche Gebäude in Ilulissat sind geschützt.[2]

Söhne und Töchter der Stadt

Bevölkerungsentwicklung

Die Bevölkerungszahl von Ilulissat stieg lange und liegt seit 2003 konstant bei etwa 4500 Personen.[8]

Weblinks

 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Karte mit allen offiziellen Ortsnamen bestätigt vom Oqaasileriffik, bereitgestellt von Asiaq
  2. a b c d e f Ilulissat bei qaasuitsup-kp.cowi.webhouse.dk
  3. Jens Christian Madsen: Udsteder og bopladser i Grønland 1901–2000. Atuagkat, 2009, ISBN 978-87-90133-76-4, S. 149 ff.
  4. Jens Christian Madsen: Udsteder og bopladser i Grønland 1901–2000. Atuagkat, 2009, ISBN 978-87-90133-76-4, S. 153.
  5. Ilulissat-Eisfjord bei greenland-travel.de
  6. a b c A. Bertelsen, O. B. Bøggild, H. Bryder, R. Hammer, J. Krogh, H. Ostermann, Morten P. Porsild, K. Rasmussen, K. Stephensen: Grønland i tohundredeaaret for Hans Egedes landig. In: G. C. Amdrup, Louis Bobé, Ad. S. Jensen, H. P. Steensby (Hrsg.): Meddelelser om Grønland. Band 60. C. A. Reitzel Boghandel, Kopenhagen 1921, S. 187 f. ([1]).
  7. Ilulissat Lufthavn auf der Seite des Naalakkersuisut (.pdf)
  8. Einwohnerzahl Ilulissat 1977–2019 bei bank.stat.gl
Original: Original:

https://de.wikipedia.org/wiki/Ilulissat