Henrik Lund (Dichter)

Henrik Lund 1911 mit seiner Frau

Henning Jakob Henrik Lund (Spitzname Intalêraĸ (kleiner Henrik); * 29. September 1875 in Nanortalik; † 17. Juni 1948 in Narsaq[1]) war ein grönländischer Dichter, Pastor, Katechet, Missionar, Maler, Komponist und Landesrat.

Leben

Henrik Lund ließ sich bis 1897 an Grønlands Seminarium zum Katecheten ausbilden. Nach einem Aufenthalt in Dänemark wirkte er ab 1899 als Katechet im nur von wenigen Tunumiit bevölkerten und unkolonialisierten Ostteil Grönlands. Er half Frederik Carl Peter Rüttel bei der Missionierung der Ostgrönländer. 1910 kehrte er nach Südgrönland zurück und war Oberkatechet in mehreren Dörfern um Qaqortoq. Ab 1918 war er in Narsaq tätig. Von 1923 bis 1932 saß er zwei Wahlperioden lang für Narsaq im Landesrat. 1936 wurde er in Kopenhagen zum Pastor geweiht und wirkte als solcher bis zu seinem Tod in Narsaq.[2]

Er war seit Beginn der 1920er Jahre als Maler und Dichter aktiv und ist berühmt für seine bereits 1912 entstandene Textung von Nunarput utoqqarsuanngoravit, der offiziellen grönländischen Nationalhymne.[3] Er schrieb Psalmen und religiöse Lieder, vor allem aber Gedichte, teils politische, teils nationalidentitäre und solche über neue Chancen Grönlands. Seine Werke weisen einen ähnlichen Stil auf wie die von Hans Adolph Brorson und Bernhard Severin Ingemann.[2] Zudem schrieb er eine „Stadthymne“ für Narsaq namens Putsut tamaani (Hier ist dein Nebel).[4][5] Er wurde 1921 zum Dannebrogsmand ernannt und 1947 mit der Verdienstmedaille Ingenio et arti ausgezeichnet.[6]

Familie

Henrik Lund war der Sohn des Katecheten Christen Peter Jens Severin Isak Lund (1848–1922) und seiner Frau Athalie Sophie Margrethe Christiane Hansen (1845–1919).[2] Seine Eltern hatten am 20. August 1874 in Qaqortoq geheiratet.[7] Er war ein Ururenkel von Peter Hanning Motzfeldt (1774–1835) und von Anders Olsen (1718–1786). Ein Cousin von ihm war Johan Petersen (1867–1960), ein Pionier im Osten Grönlands. Ihr gemeinsamer Onkel war Johannes „Hansêraĸ“ Hansen (1837–1911).[6] Er heiratete am 23. April 1899 in Qaqortoq Karoline Malene Justine Haldora Egede (1877–1979).[8] Seine Frau war die erste Person in Grönland, die bewiesenermaßen über hundert Jahre alt wurde,[9] und sie gilt bis heute als der zweitälteste grönländische Mensch aller Zeiten.[10] Das Paar hatte folgende Kinder:

  • Niels Jakob Louis Lund (* 27. Februar 1900; † 18. Januar 1979 in Qaqortoq), Vater des Politikers Henrik Lund (1939–2003)
  • John Isak Lund (* 22. März 1902 in Tasiilaq; † 24. September 1949)
  • Marie Mathilde Louise Lund (* 21. Juni 1904 in Tasiilaq; † 21. August 1996 in Narsaq), heiratete den Autor und Künstler Hans Lynge (1906–1988), Eltern von Niels Henrik Lynge (* 1937) und Torben Emil Lynge (* 1940), Großeltern der Schriftstellerin Nauja Lynge (* 1965)[11]
  • Mariane Rosalie Lund (* 27. Januar 1907 in Tasiilaq)
  • Asê Marie Birgitte Lund (* 10. November 1909; † 24. Oktober 2002 in Qaqortoq), heiratete den Pastor, Lehrer und Kommunalpolitiker Rink Kleist (1912–1977), Sohn von Josva Kleist (1879–1938)[12]
  • Christian Adolf Lund (* 20. Juni 1912 in Alluitsup Paa; † 26. November 2010 in Narsaq), zweitältester grönländischer Mann jemals, Vater der Politikerin Augusta Salling (* 1954)
  • Nukaĸ Asiarpak Lund (* 24. November 1918 in Alluitsup Paa)

Einzelnachweise

  1. Digterpræsten Henrik Lund er død in der Grønlandsposten vom 1. Juli 1948
  2. a b c Biografie im Dansk biografisk leksikon
  3. Biografie in Den Store Danske
  4. Narsaq vil fejre Henrik Lund bei knr.gl
  5. Hans Lynge: Digterpræsten Henrik Lund in der Tidsskriftet Grønland (3/1954; .pdf)
  6. a b Svend Frederiksen: Henrik Lund, a National Poet of Greenland. In: Proceedings of the American Philosophical Society. Band 96, Nr. 6, 1952, S. 653–659 (englisch, eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  7. Kirchenbücher Qaqortoq 1862–1887 (Verheiratete S. 22–23 der Bilddatei)
  8. Kirchenbücher Qaqortoq 1890–1899 (Verheiratete S. 131)
  9. Grønlands ældste, Malene Lund er død in der Atuagagdliutit vom 1. Februar 1979
  10. Eintrag im Gerontology Wiki bei Wikia
  11. Ivalu’s Color – a novel by Nauja Lynge bei lynge.me
  12. Rink Kleist er død ind er Atuagagdliutit vom 29. September 1977
Original: Original:

https://de.wikipedia.org/wiki/Henrik_Lund_(Dichter)