Heinrich von Kleist

Heinrich von Kleist, Reproduktion einer Illustration von Peter Friedel, die der Dichter 1801 fĂŒr seine Verlobte Wilhelmine von Zenge anfertigen ließ Heinrich von Kleist Unterschrift.svg
Frankfurter Geschichten: Der rastlose Heinrich

Bernd Heinrich Wilhelm von Kleist (* 10. [nach eigener Angabe][1] oder 18. Oktober 1777 [laut Kirchenbuch] in Frankfurt (Oder), Brandenburg, Preußen; † 21. November 1811 am Stolper Loch, heute Kleiner Wannsee, Berlin) war ein deutscher Dramatiker, ErzĂ€hler, Lyriker und Publizist.

Heinrich von Kleist stand als „Außenseiter im literarischen Leben seiner Zeit [
] jenseits der etablierten Lager“[2] und der Literaturepochen der Weimarer Klassik und der Romantik. Bekannt ist er vor allem fĂŒr das „historische Ritterschauspiel“ Das KĂ€thchen von Heilbronn, seine Lustspiele Der zerbrochne Krug und Amphitryon, das Trauerspiel Penthesilea sowie fĂŒr seine Novellen Michael Kohlhaas und Die Marquise von O....

Biographie

Familie, Ausbildung und MilitĂ€rdienst (1777–1799)

Gedenktafel am Ort des Geburtshauses in Frankfurt (Oder)

Heinrich von Kleist entstammte einer Familie des pommerschen Uradels, dem in Preußen eine herausgehobene Stellung zukam. Er wurde als fĂŒnftes Kind, aber erster Sohn seines Vaters geboren. Seine Familie brachte zahlreiche GenerĂ€le und FeldmarschĂ€lle, viele Gutsbesitzer, aber auch etliche Gelehrte, hohe Diplomaten und Beamte hervor. Kleists Vater, Joachim Friedrich von Kleist (* 1728; † 1788), diente als StabskapitĂ€n beim Regiment zu Fuß Prinz Leopold von Braunschweig in der Garnisonsstadt Frankfurt an der Oder. Aus einer ersten Ehe mit Caroline Luise, geb. von Wulffen († 1774), gingen die beiden Halbschwestern Kleists, Wilhelmine, genannt Minette, und Ulrike Philippine hervor, der Kleist spĂ€ter sehr nahestand. Joachim Friedrich heiratete 1775 in zweiter Ehe Juliane Ulrike, geb. von Pannwitz (* 1746; † 1793), die die Kinder Friederike, Auguste Katharina, Heinrich und schließlich noch dessen jĂŒngere Geschwister Leopold Friedrich und Juliane, genannt Julchen, gebar.

Nach dem Tod seines Vaters 1788 wurde Kleist in Berlin in der Pension des reformierten Predigers Samuel Heinrich Catel erzogen. Kleist wurde wahrscheinlich durch Catel, der zugleich Professor am Französischen Gymnasium war, auf die Werke der klassischen Dichter und der zeitgenössischen Philosophen der AufklĂ€rung aufmerksam, mit denen er sich wĂ€hrend seiner MilitĂ€rzeit weiter auseinandersetzte. Vor dem Eintritt in die Preußische Armee brach er sein an der Brandenburgischen UniversitĂ€t Frankfurt begonnenes Studium ab, weil er der herkömmlichen MilitĂ€rlaufbahn den Vorrang geben wollte.

Im Juni 1792 trat der junge Kleist getreu seiner Familientradition in das 3. Bataillon des Garderegiments zu Potsdam als Gefreiter-Korporal ein. Unter Generalinspekteur Ernst von RĂŒchel nahm er am Rheinfeldzug gegen Frankreich sowie an der Belagerung der ersten bĂŒrgerlichen Republik auf deutschem Boden in Mainz teil. Trotz wachsender Zweifel am Soldatendasein verblieb Kleist im MilitĂ€r und wurde 1795 zum FĂ€hnrich und 1797 zum Leutnant befördert. Privat jedoch nahm er zusammen mit seinem Freund RĂŒhle von Lilienstern mathematische und philosophische Studien in Potsdam auf und erwarb sich den UniversitĂ€tszugang. 1797 verkauften er und seine Geschwister den ererbten vĂ€terlichen Besitz, das kleine Rittergut Guhrow im Spreewald, fĂŒr 30.000 Taler, wovon er nach seiner GroßjĂ€hrigkeit im Oktober 1801 ĂŒber ein Siebtel verfĂŒgte.

Im MĂ€rz 1799 Ă€ußerte er die Absicht, den als unertrĂ€glich empfundenen MilitĂ€rdienst aufzugeben und seinen Lebensplan, auch gegen den zu erwartenden Widerstand der Familie, nicht auf Reichtum, WĂŒrden, Ehren, sondern auf die Ausbildung des Geistes zu grĂŒnden und ein wissenschaftliches Studium aufzunehmen.

Studium und erste Anstellung (1799–1801)

Wilhelmine von Zenge, Kleists Verlobte, anonyme Miniatur (um 1800)

Nach seiner erbetenen und gegen den Widerstand Ernst von RĂŒchels bewilligten Entlassung aus dem MilitĂ€r [zugunsten seines Studiums] begann Kleist im April 1799 an der UniversitĂ€t Frankfurt an der Oder neben Mathematik als Hauptfach Physik, Kulturgeschichte, Naturrecht, Latein und – zur Beruhigung seiner Verwandten – Kameralwissenschaften zu studieren. Besonders interessierte er sich fĂŒr den Physikunterricht bei dem als Professor tĂ€tigen Christian Ernst WĂŒnsch, der ihm auch Privatunterricht in Experimentalphysik erteilte. Wie fĂŒr nicht wenige andere Autoren der Zeit (beispielsweise Goethe, Achim von Arnim und Novalis) waren fĂŒr ihn die Naturwissenschaften im Sinne der AufklĂ€rung ein objektives Mittel, sich selbst, die Gesellschaft und die Welt zu erkennen – und zu verbessern. Die hoffnungsvoll begonnene wissenschaftliche Ausbildung vermochte Kleist jedoch schon bald nicht mehr voll zu befriedigen; das Buchwissen reichte ihm nicht aus. Mit dieser Haltung fand Kleist wenig VerstĂ€ndnis in seiner Umwelt. 1799 lernte er die Generalstochter Wilhelmine von Zenge kennen, mit der er sich bereits Anfang 1800 verlobte.

1800 brach er nach nur drei Semestern das Studium wieder ab und begann eine TĂ€tigkeit als VolontĂ€r im preußischen Wirtschaftsministerium in Berlin, obwohl dies seinem VerstĂ€ndnis eines Lebensplanes „freier Geistesbildung“ nicht entsprach. Hintergrund der Entscheidung war seine Verlobung. Die Familie der Braut forderte, dass Kleist ein Staatsamt bekleide. FĂŒr das Ministerium war Kleist im Sommer 1800 in geheimer Mission, vermutlich als Wirtschaftsspion (mit dem Decknamen Klingstedt[3]) unterwegs (ab 9. September fĂŒr zwei Monate in WĂŒrzburg, wo er zunĂ€chst im Hotel FrĂ€nkischer Hof[4] in der heutigen Theaterstraße 1 Quartier nahm, eine Woche spĂ€ter bei dem Stadtchirurgen Wirth am Schmalzmarkt 3, und sich möglicherweise auch einem chirurgischen Eingriff unterzog). In WĂŒrzburg besuchte er wie andere Sensationslustige[5] das Krankenhaus der Stiftung Juliusspital,[6] und seine EindrĂŒcke davon, die er in einem Brief an seine Braut geschildert hat,[7] mögen Einfluss auf seine Schilderung des Irrenhauses seiner ErzĂ€hlung Die heilige CĂ€cilie oder die Gewalt der Musik (1810) genommen haben. In diesem Sommer und Herbst geschriebene fĂŒnf Briefe an seine Verlobte zeigen erstmals die dichterische Begabung des damals noch unbekannten Kleist.[8]

Die berufliche, soziale und individuelle Problematik („das Leben ist ein schweres Spiel [
], weil man bestĂ€ndig und immer von neuem eine Karte ziehen soll und doch nicht weiß, was Trumpf ist;“ – Brief an die Halbschwester Ulrike vom 5. Februar 1801)[9] verdichtete sich vermutlich vor dem Hintergrund der LektĂŒre von Kants Kritik der Urteilskraft zur „Kant-Krise“ – so ein umstrittener Begriff der Ă€lteren Kleistforschung. Durch die Grenzen der Vernunfterkenntnis, die Kant aufgezeigt hatte, sah Kleist seinen geradlinigen, rein vernunftorientierten Lebensplan in Frage gestellt. In einem berĂŒhmten Brief an Wilhelmine vom 22. MĂ€rz 1801 notierte Kleist:

„Wir können nicht entscheiden, ob das was wir Wahrheit nennen, wahrhaftig Wahrheit ist oder ob es uns nur so scheint [
] Mein einziges, mein höchstes Ziel ist gesunken, ich habe nun keines mehr.“[9]

Kritikern zufolge berief Kleist sich allerdings lediglich auf eine durch die LektĂŒre Immanuel Kants ausgelöste Krise, um einer von Zögern, Scheitern und falschen Entscheidungen geprĂ€gten Lebensphase eine philosophische Rechtfertigung zu geben. Briefe, die er vor dem 22. MĂ€rz 1801 geschrieben habe, wĂŒrden deutlich erkennen lassen, dass „er sich schon Monate vor der sogenannten Kant-Krise von den Wissenschaften abwandte, und keineswegs, weil er grundsĂ€tzlich an den Möglichkeiten sicherer Erkenntnis zweifelte, sondern weil die BeschĂ€ftigung mit den Wissenschaften den Reiz fĂŒr ihn verloren hatte.“[10] Die von der Ă€lteren Forschung postulierte These der vollstĂ€ndigen Wandlung der kleistschen Persönlichkeit ausschließlich aufgrund philosophischer LektĂŒre wurde relativiert. Diese Lebenskrise sei wesentlich einem Überdruss an einengenden SpezialisierungszwĂ€ngen geschuldet gewesen. Mittels einer ausgedehnten Reise nach Frankreich suchte Kleist sie zu ĂŒberwinden.

1801 weilte H. v. Kleist im Gleimhaus zu Halberstadt

Paris und Thun (Schweiz) (1801–1804)

Im FrĂŒhjahr 1801 reiste er zusammen mit seiner Schwester Ulrike ĂŒber Dresden nach Paris. Angesichts der von ihm als ‚sittenlos‘ empfundenen französischen Hauptstadt schreibt Kleist an Wilhelmine von Zenge:

„
 ein wenig froh sein, so wie ich es jetzt bin, da ich 
 schreibe. Ja, vielleicht werde ich diese Reise nach Paris, 
 doch noch segnen. Nicht wegen der Freuden, die ich genoß, denn sparsam waren sie mir zugemessen; aber alle Sinne bestĂ€tigen mir hier, was lĂ€ngst mein GefĂŒhl mir sagte, nĂ€mlich daß uns die Wissenschaften weder besser noch glĂŒcklicher machen, und ich hoffe daß mich das zu einer Entschließung fĂŒhren wird. O ich kann Dir nicht beschreiben, welchen Eindruck der erste Anblick dieser höchsten Sittenlosigkeit bei der höchsten Wissenschaft auf mich machte. Wohin das Schicksal diese Nation fĂŒhren wird –? Gott weiß es. Sie ist reifer zum Untergange als irgend eine andere europĂ€ische Nation. Zuweilen, wenn ich die Bibliotheken ansehe, wo in prĂ€chtigen SĂ€len und in prĂ€chtigen BĂ€nden die Werke Rousseaus, Helvetius, Voltaires stehen, so denke ich, was haben sie genutzt? Hat ein einziges seinen Zweck erreicht? Haben sie das Rad aufhalten können, das unaufhaltsam stĂŒrzend seinem Abgrund entgegeneilt? O hĂ€tten alle, die gute Werke geschrieben haben, die HĂ€lfte von diesem Guten getan, es stĂŒnde besser um die Welt. Ja selbst dieses Studium der Naturwissenschaft, auf welches der ganze Geist der französischen Nation mit fast vereinten KrĂ€ften gefallen ist, wohin wird es fĂŒhren? Warum verschwendet der Staat Millionen an alle diese Anstalten zur Ausbreitung der Gelehrsamkeit? Ist es ihm um Wahrheit zu tun? Dem Staate? Ein Staat kennt keinen andern Vorteil, als den er nach Prozenten berechnen kann. Er will die Wahrheit anwenden – Und worauf? Auf KĂŒnste und Gewerbe. Er will das Bequeme noch bequemer machen, das Sinnliche noch versinnlichen, den raffiniertesten Luxus noch raffinieren. – Und wenn am Ende auch das ĂŒppigste und verwöhnteste BedĂŒrfnis keinen Wunsch mehr ersinnen kann, was ist dann –?“[11]

Abermals verarbeitete Kleist seine enttĂ€uschenden Erfahrungen als Zweifel an der Eindeutigkeit der Vernunft und dem geschichtlichen Wollen. Durch seine Rousseau-LektĂŒre sah er sich angeregt, ein bĂ€uerliches Leben zu fĂŒhren: „Ein Feld zu bebauen, einen Baum zu pflanzen, und ein Kind zu zeugen“ (Brief vom 10. Oktober 1801 an Wilhelmine).[9]

Ab April 1802 wohnte er auf der Scherzliginsel in der Aare in Thun in der Schweiz. Die Erinnerung an einen Besuch seines Jugendfreundes Ernst von Pfuel in Thun dĂŒrfte ihn zu dem idyllischen Dramolett Der Schrecken im Bade (1808) angeregt haben. Es kam zum Bruch mit Wilhelmine, die nicht seinen Vorstellungen gemĂ€ĂŸ als BĂ€uerin mit ihm zusammenleben wollte. Er arbeitete nun an dem bereits in Paris unter dem Titel Die Familie Ghonorez begonnenen Trauerspiel Die Familie Schroffenstein, schrieb weiter an seinem Trauerspiel Robert Guiskard, Herzog der NormĂ€nner und begann mit dem Lustspiel Der zerbrochne Krug.

Ende 1802 kehrte Kleist zurĂŒck nach Deutschland. In Dresden lernte er unter anderen Friedrich de la Motte FouquĂ© kennen und traf Ernst von Pfuel wieder. Lange hielt er es dort jedoch nicht aus; zusammen mit von Pfuel reiste Kleist abermals nach Paris. Dort verbrannte er die fertiggestellten Teile des Guiskard in tiefer Verzweiflung darĂŒber, seine konzeptionellen Vorstellungen nicht realisieren zu können, und erlebte eine Schaffenskrise: „Der Himmel versagt mir den Ruhm, das grĂ¶ĂŸte der GĂŒter der Erde!“ schrieb er am 26. Oktober 1803 an Ulrike. Kleist fasste daraufhin den Entschluss, in der französischen Armee gegen England zu kĂ€mpfen, „um den Tod in der Schlacht zu sterben“, wurde aber durch einen Bekannten dazu ĂŒberredet, nach Potsdam zurĂŒckzukehren. Im Dezember 1803 war Kleist wieder in Deutschland und beantragte in Berlin eine Anstellung im diplomatischen Dienst.

Königsberg (1804–1807)

Nach einer kurzen TÀtigkeit im von Karl Freiherr vom Stein zum Altenstein geleiteten Finanzdepartement Mitte 1804 arbeitete er ab dem 6. Mai 1805 auf dessen Empfehlung als DiÀtar (Beamter im Vorbereitungsdienst ohne festes Gehalt) in Königsberg und sollte sich bei dem Staats- und Wirtschaftstheoretiker Christian Jacob Kraus in Kameralistik ausbilden lassen. In Königsberg traf er unter anderen die inzwischen mit dem als Philosophieprofessor tÀtigen Wilhelm Traugott Krug verheiratete Wilhelmine wieder. Kleist vollendete den Zerbrochnen Krug und arbeitete an dem Lustspiel Amphitryon, dem Trauerspiel Penthesilea und an den ErzÀhlungen Michael Kohlhaas und Das Erdbeben in Chili.

Im August 1806 teilte Kleist seinem Freund RĂŒhle von Lilienstern seine Absicht mit, aus dem Staatsdienst zu scheiden, um sich nunmehr durch „dramatische Arbeiten“ zu ernĂ€hren. Auf dem Wege nach Berlin wurden Kleist und seine Begleiter im Januar 1807 von den französischen Behörden als angebliche Spione verhaftet und zunĂ€chst in das Fort de Joux bei Pontarlier und dann in das Kriegsgefangenenlager ChĂąlons-sur-Marne transportiert. Dort schrieb er vermutlich die Novelle Marquise von O.... und arbeitete weiter an der Penthesilea.

Dresden (1807–1809)

Die Hermannsschlacht, TheaterankĂŒndigung von 1923
Neues Kleistdenkmal von Dezember 2011 in Dresden-Altstadt, Pillnitzer Str. Ecke Gerichtsstr., am Ort seines ehemaligen Wohnhauses „Äußere Rampische Gasse“ (spĂ€ter Pillnitzer Str. 29; am 13. Februar 1945 zerstört) mit den Relikten der Gedenktafeln der Tiedgestiftung von 1909
Detail des obigen neuen Dresdner Kleistdenkmals

Nach seiner Freilassung reiste er ĂŒber Berlin nach Dresden (ab Ende August 1807), wo er unter anderem Schillers Freund Christian Gottfried Körner, die Romantiker Ludwig Tieck, Gotthilf Heinrich von Schubert, Caspar David Friedrich und vor allem den Staats- und Geschichtsphilosophen Adam Heinrich MĂŒller sowie den Historiker Friedrich Christoph Dahlmann kennen lernte. Zusammen mit MĂŒller gab Kleist ab Januar 1808 das Journal fĂŒr die Kunst (so der Untertitel) Phöbus heraus. Das erste Heft mit dem Beitrag Fragment aus dem Trauerspiel: Penthesilea sandte er unter anderem Goethe zu, der in einem Antwortschreiben seine Verwunderung und sein UnverstĂ€ndnis bekundete.

Im Sommer 1808 muss sich Kleist in der westfĂ€lischen Stadt Hamm aufgehalten haben, denn dorthin ist ein auf den 4. August datiertes Schreiben der französischen Generalpostdirektion DĂŒsseldorf gerichtet, das auf eine Bewerbung Kleists antwortete und diese abschlĂ€gig beschied. Kleist war von Dresden nach DĂŒsseldorf gereist und hatte sich mĂŒndlich als ehemaliger „Premier Lieutenant au Serv[ice] Pruss“ unter anderem auf die freigewordene Stelle eines Postdirektors in LĂŒnen (Westfalen), das damals an der bedeutenden Postroute von Holland nach Berlin lag, beworben.[12]

Im Dezember 1808 vollendete Kleist unter dem Eindruck des Widerstands Spaniens gegen Napoleon, der Besetzung Preußens und der AnfĂ€nge des österreichischen Freiheitskampfes das Drama Die Hermannsschlacht. Gegenstand des Dramas, mit dem Kleist den seit dem 16. Jahrhundert bestehenden Arminius-Kult in der deutschen Literatur aufgriff, war die Varusschlacht, in der im Herbst des Jahres 9 n. Chr. drei römische Legionen in einer vernichtenden Niederlage gegen ein germanisches Heer unter FĂŒhrung des Arminius untergegangen waren.

In der Hoffnung auf einen erstarkenden Widerstand gegen Napoleon reiste Kleist zusammen mit Dahlmann ĂŒber Aspern, wo Napoleon einige Tage zuvor besiegt worden war, am 21./22. Mai 1809 nach Prag. Hier bekamen Kleist und Dahlmann Zugang zu österreichisch-patriotischen Kreisen und planten, ein Wochenblatt mit dem Titel Germania herauszugeben. Es sollte ein Organ der „deutschen Freiheit“ werden. Wegen der Kapitulation Österreichs blieb das Projekt unverwirklicht. In dieser Zeitschrift sollten seine sogenannten politischen Schriften Was gilt es in diesem Kriege?, Katechismus der Deutschen abgefasst nach dem Spanischen, zum Gebrauch fĂŒr Kinder und Alte, das Lehrbuch der französischen Journalistik, Satiren und die Ode Germania an ihre Kinder erscheinen.

Im November traf Kleist in Frankfurt (Oder) ein und fuhr einen Monat spÀter wieder nach Berlin, wo er sich mit einer kurzen Unterbrechung bis zu seinem Tod aufhielt.

Berlin (1809–1811)

Kleists Abschiedsbrief
Gedenktafel am Kleisthaus in Berlin-Mitte, Mauerstraße 53. An gleicher Stelle stand das GebĂ€ude, in dem Kleist zuletzt wohnte.

In Berlin schloss Kleist unter anderen Bekanntschaft mit Achim von Arnim, Clemens Brentano, Joseph von Eichendorff, Wilhelm Grimm, Karl August Varnhagen von Ense und Rahel Varnhagen. Im April 1810 erschien der erste Band seiner ErzĂ€hlungen (Michael Kohlhaas, Die Marquise von O...., Das Erdbeben in Chili) und im September Das KĂ€thchen von Heilbronn, dessen AuffĂŒhrung Iffland als Direktor der Berliner BĂŒhne jedoch ablehnte.

Nach der Einstellung des Phöbus initiierte Kleist ab dem 1. Oktober 1810 ein neues Zeitungsprojekt: die Berliner AbendblĂ€tter. Die AbendblĂ€tter waren ein tĂ€glich erscheinendes Zeitungsblatt mit lokalen Nachrichten, als dessen Zweck die Unterhaltung aller StĂ€nde des Volkes und die Beförderung der Nationalsache angegeben wurde. Als Autoren schrieben hier so Prominente wie Ernst Moritz Arndt, Achim von Arnim, Clemens Brentano, Adelbert von Chamisso, Otto August RĂŒhle von Lilienstern, Friedrich Karl von Savigny und Friedrich August von Staegemann. Kleist selbst veröffentlichte unter anderem seine Abhandlungen Gebet des Zoroaster, Betrachtungen ĂŒber den Weltlauf, Brief eines Malers an seinen Sohn, Allerneuester Erziehungsplan und vor allem Über das Marionettentheater in den AbendblĂ€ttern. Als Besonderheit und Publikumsmagnet erwies sich Kleists Veröffentlichung aktueller Polizeiberichte.

Im FrĂŒhjahr 1811 musste die Herausgabe der Zeitung wegen verschĂ€rfter Zensurbestimmungen eingestellt werden. Als sein Versuch scheiterte, eine Anstellung in der preußischen Verwaltung zu erlangen, und auch sein 1809 begonnenes Schauspiel Prinz Friedrich von Homburg bis 1814 mit einem AuffĂŒhrungsverbot durch Friedrich Wilhelm III. belegt wurde, musste Kleist innerhalb kurzer Zeit einige ErzĂ€hlungen schreiben, um sich den Lebensunterhalt zu sichern. Diese Werke wurden in einem zweiten Band mit ErzĂ€hlungen zusammengefasst, der unter anderem Das Bettelweib von Locarno und Die Verlobung in St. Domingo enthĂ€lt.

Nahezu mittellos und innerlich „so wund, daß mir, ich möchte fast sagen, wenn ich die Nase aus dem Fenster stecke, das Tageslicht wehe tut, das mir darauf schimmert“ (Brief an Marie von Kleist vom 10. November 1811) nahmen die Gedanken an einen Suizid aufgrund von Geldsorgen und der stetigen Kritik seiner Werke ĂŒberhand, auch weil sein Schauspiel „Der Prinz von Homburg“ verboten wurde und er desgleichen keine Stelle im preußischen Staatsdienst erhielt. Aus Geldnot schrieb er weiter StĂŒcke, die postum im zweiten Band veröffentlicht wurden. Zuvor hatte er in seinem BemĂŒhen um ein Darlehen mehrere Bitt- und Bettelbriefe verschickt, unter anderem an den König, an den Prinzen von Preußen und vor allem an den Staatskanzler Hardenberg, ohne jedoch eine Antwort zu erhalten. Einzig die Nachricht am Rande des Gesuchs ist ĂŒberliefert „Zu den Akten, da der p.v. Kleist 21.II.II. nicht mehr lebt“.[13]

Kleist suchte und fand fĂŒr den Weg des Suizids eine Begleiterin, die unheilbar an einem Karzinom erkrankte Henriette Vogel. Mit ihrem EinverstĂ€ndnis erschoss Kleist am 21. November 1811 am Stolper Loch, dem heutigen Kleinen Wannsee im SĂŒdwesten Berlins, zuerst sie und dann sich selbst. In seinen Abschiedsbriefen Ă€ußerte Kleist hinsichtlich seiner Bestattung keine WĂŒnsche; es war Henriette Vogel, die um eine gemeinsame Bestattung „in der sicheren Burg der Erde“ bat.[14][15] Begraben wurden Kleist und Henriette Vogel an Ort und Stelle, da der Suizid damals gesellschaftlich und kirchlich geĂ€chtet war,[16] was eine Bestattung auf einem Friedhof verbot (Friedhöfe standen in dieser Zeit ausschließlich in kirchlicher Verwaltung).

Letzte Worte

Grab von Heinrich von Kleist und Henriette Vogel am Kleinen Wannsee vor der 2011 erfolgten Renovierung
Ehrengrab von Heinrich von Kleist und Henriette Vogel am Kleinen Wannsee nach der 2011 erfolgten Renovierung

Das letzte Wort an Ulrike

An Ulrike von Kleist, 21. November 1811.

An FrÀulein Ulrike von Kleist Hochwohlgeb. zu Frankfurt a. Oder.

Ich kann nicht sterben, ohne mich, zufrieden und heiter, wie ich bin, mit der ganzen Welt, und somit auch, vor allen Anderen, meine theuerste Ulrike, mit Dir versöhnt zu haben. Laß sie mich, die strenge Äußerung, die in dem Briefe an die Kleisten enthalten ist laß sie mich zurĂŒcknehmen; wirklich, Du hast an mir gethan, ich sage nicht, was in KrĂ€ften einer Schwester, sondern in KrĂ€ften eines Menschen stand, um mich zu retten: die Wahrheit ist, daß mir auf Erden nicht zu helfen war. Und nun lebe wohl; möge Dir der Himmel einen Tod schenken, nur halb an Freude und unaussprechlicher Heiterkeit dem meinigen gleich: das ist der herzlichste und innigste Wunsch, den ich fĂŒr Dich aufzubringen weiß.

 Stimmings bei Potsdam.
    d. – am Morgen meines Todes.
Dein
Heinrich.
[9]

Gegen Ende des Abschiedsbriefes steht hier, wie auch in gedruckten Fassungen, „d.“ (d, Punkt). Das hĂ€lt ein Kenner wie Hans Joachim Kreutzer noch in seinem 2011 erschienenen Buch „Heinrich von Kleist“ fĂŒr „eine sonderbare (
) Wendung“[17]FliessTextRef. Es dĂŒrfte sich jedoch schlicht um die AbkĂŒrzung von lateinisch datum (wörtlich ĂŒbersetzt „gegeben“, zu verstehen als „geschrieben“) handeln, was zu Kleists Zeit durchaus gelĂ€ufig war. DafĂŒr spricht auch eine genaue Betrachtung des Faksimiles: Das Zeichen unmittelbar hinter dem „d“ ist so viel grĂ¶ĂŸer als Kleists sonstige Punkte, so dass es wie ein weiterer Buchstabe (mit anschließendem Doppelpunkt) wirkt, und dieser Buchstabe liest sich wie der zweite von „datum“.

Strittig ist zudem, ob die in der Quelle und auch an weiteren Orten verbreitete Transkription „an die Kleisten“ korrekt ist, denn im Original sind im Wort eindeutig zwei I-Punkte zu erkennen, sodass „an die Kleistin“ wahrscheinlicher wĂ€re.

Literaturgeschichtliche Bedeutung

Kleists Leben war geprĂ€gt vom ruhelosen Streben nach idealem GlĂŒck,[18] das sich jedoch immer wieder als trĂŒgerisch erwies, und dies spiegelt sich in seinem Werk wider. Geistesgeschichtlich lĂ€sst sich Kleist allerdings nur schwer einordnen: Weder in den Kreis der romantischen Theorie noch in den klassischen Diskurs kann man Autor und Werk ohne weiteres eingliedern. Es sei an dieser Stelle auf Kleists kurze ErzĂ€hlung Über das Marionettentheater hingewiesen. Die frĂŒhe Kleist-Forschung hat diesen Text stets als mehr oder minder theoretische Abhandlung Kleists gelesen und versucht, denselben im Sinne der Ă€sthetischen Programmatik des romantischen Diskurses zu deuten. Neuere Versuche der Interpretation – insbesondere jene, die einem dekonstruktivistischen Interesse entspringen – betonen dementgegen das subversive Potenzial des Textes und sehen den zentralen Gehalt in der spielerisch-ironischen Demontage des zeitgenössischen Ă€sthetisch-idealphilosophischen Diskurses. So werden die Marionetten etwa als „das Gegenteil des Ichs“ und „die im Text erzĂ€hlten Episoden [als] Bilder der UnidentitĂ€t“ im Sinne fehlender Autonomie interpretiert.[19]

Ebenso wie man versucht, Kleist in die Strömungen der Romantik einzuordnen, wird auch eine AffinitĂ€t zwischen den Dramen Kleists und der klassischen Dichtung betont. Diese Zuordnung beruht auf der stofflichen Wahl, denn mehrmals adaptiert Kleist antike mythologische Inhalte, was eigentlich ein Kennzeichen klassischer Ästhetik ist, und hĂ€lt sich bei seiner Bearbeitung an den klassischen Dramenaufbau, wie ĂŒberhaupt das Verfassen von Dramen eher fĂŒr die Dichter der Weimarer Klassik als die Dichter der Romantik kennzeichnend ist. Zugleich werden aber in Kleists „klassischen“ Dramen die klassischen Stilprinzipien in hohem Maße verletzt, wie schon die Stoffwahl belegt: Nicht mehr das allgemein-menschliche, zivilisierende, klassisch-befriedete Element antiker Dichtung, sondern das Besondere, Extreme und Grausame rĂŒckt in den Vordergrund. Dabei steht in vielen Werken „auf der Ebene des Sujets der subjektive Innenraum des humanistischen bzw. klassischen Individuums zur Debatte“;[20] das Subjekt, dem – zumindest als Postulat im Idealismus – IdentitĂ€t und Autonomie inhĂ€riert, wird radikal in Frage gestellt: „Die implizite Theorie der Wunschproduktion, welche das FĂŒhlen und das Unbewußte als soziale Produktionen auffaßt, macht die ModernitĂ€t Kleists aus“[21] und setzt ihn zur literarischen Klassik und Romantik in Gegensatz.

Dramatisches Werk

Der zerbrochne Krug, Titelblatt der Erstausgabe (1811)

Kleists erste Tragödie Die Familie Schroffenstein (fertiggestellt 1803, uraufgefĂŒhrt 1804 am Grazer Nationaltheater) orientiert sich am Dramenstil Shakespeares und thematisiert die fĂŒr Kleists Schaffen zentralen Themen Schicksal vs. Zufall und subjektives (Vor-)Urteil vs. objektive Wirklichkeit. Seine zweite Tragödie Penthesilea (1808) ist inspiriert von drei antiken Tragödien des Euripides (Medea, Hippolytos und Die Bakchen). Sie handelt von der Amazonenkönigin, die in kriegerischer Weise auf einem Schlachtfeld vor Troja um den griechischen Helden Achilles wirbt und dabei scheitert. Wegen der stilistisch gehobenen Sprache, der damals nicht darstellbaren Kriegsszenen und der der antiken Tragödie nachempfundenen Grausamkeit war dem StĂŒck zu Kleists Lebzeiten kein Erfolg beschieden, es wurde erst 1876 in Berlin uraufgefĂŒhrt. Erfolgreicher als diese beiden Tragödien war damals sein romantisches Schauspiel Das KĂ€thchen von Heilbronn, oder Die Feuerprobe 1808, ein poetisches Drama voller RĂ€tsel und mittelalterlichem Treiben, das sich seine PopularitĂ€t erhalten hat.

Im Genre der Komödie machte sich Kleist einen Namen mit dem Zerbrochenen Krug.[22] Die Hermannsschlacht (1809) behandelt ein historisches Thema und ist zugleich voller Referenzen auf die politischen VerhĂ€ltnisse seiner Zeit. In der Hermannsschlacht verleiht Kleist seinem Hass auf die UnterdrĂŒcker seines Landes Ausdruck. Zusammen mit dem Drama Prinz Friedrich von Homburg (siehe auch Friedrich II. (Hessen-Homburg)), einem Höhepunkt des Kleist’schen Schaffens, wurde das StĂŒck erstmals 1821 von Ludwig Tieck in Heinrich von Kleists hinterlassene Schriften veröffentlicht. Robert Guiskard, ein in großem Maßstab konzipiertes Drama, blieb Fragment.

ErzÀhlerisches Werk, Lyrik und weitere Schriften

ErzÀhlungen Heinrich von Kleists 1810 und zweiter Teil 1811 im Erstdruck

Kleist war ein Meister in der Kunst der ErzĂ€hlung. Michael Kohlhaas gilt als eine der wichtigsten deutschsprachigen ErzĂ€hlungen ihrer Zeit. Darin gibt der berĂŒhmte Brandenburger PferdehĂ€ndler Kohlhase aus Luthers Tagen seine Familie, die gesellschaftliche Position und sein sonstiges Hab und Gut auf, verletzt schließlich sogar selbst die Rechtsnormen, nur um in einem relativ geringfĂŒgigen Streitfall, bei dem ihm ein klares Unrecht zugefĂŒgt worden ist, Recht zu erhalten; ihm wird in der ErzĂ€hlung ein ambivalentes Denkmal gesetzt. Bedeutend sind weiterhin die ErzĂ€hlungen Das Erdbeben in Chili, Die Marquise von O...., Die heilige CĂ€cilie oder die Gewalt der Musik.

Kleist war zudem ein vaterlandsliebender, franzosenfeindlicher Dichter, was sich deutlich in seinen Gedichten Germania an ihre Kinder und Kriegslied der Deutschen Ă€ußert. Das Heilige Römische Reich Deutscher Nation bestand zu seiner Zeit zum Teil aus von Frankreich besetzten und somit abhĂ€ngigen Vasallenstaaten, die unter anderem Truppenkontingente fĂŒr die napoleonischen Eroberungskriege stellen mussten oder direkt von Napoleon annektiert worden waren.

Im Gegensatz zu zeitgenössischen Gepflogenheiten hat Heinrich von Kleist keine offenkundig Ă€sthetisch-programmatische Schrift hinterlassen. Insbesondere das Marionettentheater wurde auf seinen theoretisch-poetologischen Gehalt hin untersucht. Doch wurde hierbei generell der fiktive Charakter des GesprĂ€chs vernachlĂ€ssigt: Es handelt sich um einen Bericht ĂŒber ein GesprĂ€ch, das zum Zeitpunkt der Wiedergabe bereits einige Jahre zurĂŒckliegt. Nur unter Vorbehalt lĂ€sst sich in dem kurzen Aufsatz die Proklamation der Wiedererlangung eines paradiesischen Zustandes erkennen. Besonders Hanna Hellmann, die das Marionettentheater im Jahre 1911 wiederentdeckte, deutete diesen Text im Sinne der romantischen Triade, die die dritte Stufe der menschlichen Entwicklung – d. h. die Wiedererlangung des paradiesischen Zustandes – im Bereich der Kunst verwirklicht sieht. „Übersehen“ hat sie allerdings wie viele nach ihr die „Ironie, mit der diese, fĂŒr den Haufen erfundene, Spielart als schöne Kunst anerkannt wird, ausgerechnet Bauernfiguren gelten fĂŒr vorbildlich; ĂŒbersehen die Ironie, mit welcher die Bewegungen derer, die ihre Schenkel verloren haben – am hĂ€ufigsten ja im Krieg – und nun mechanische Beine besitzen, mit Ruhe, Leichtigkeit und Anmuth ablaufen sollen.“[23]

Wirkung

Das literarische Schaffen von Heinrich von Kleist hat auf seine Zeitgenossen und auf spĂ€tere Leser eine widersprĂŒchliche, aber nachhaltige Wirkung ausgeĂŒbt. „Die Zeitgenossen wurden durch die Gewaltsamkeit der Bilder, die Maßlosigkeit der GefĂŒhlsausbrĂŒche, die Krassheit der Situationen, die Missachtung schöner Konventionen mehr schockiert als durch die Kraft, die rhythmische Dynamik, die weiten dramatischen Spannungsbögen und die poetische Schönheit dieser Sprache angezogen.“[24] Denn: „Solche Texte hatte man noch nicht gelesen, solche StĂŒcke noch nicht gesehen. Seine Analysen waren der Geschichte, seine Bilder und Formen der Literaturgeschichte voraus.“[25] Im Laufe der widersprĂŒchlichen Rezeptionsgeschichte wurde Kleist von weltanschaulich gewissermaßen kontrĂ€ren Gruppierungen fĂŒr sich in Anspruch genommen. Er wurde gleichermaßen als verkannter Vorbote der literarischen Moderne wie auch als bedeutender Streiter im Sinne der nationalistischen und chauvinistischen Strömungen des Deutschen Kaiserreichs gedeutet. Insbesondere seit der deutschen ReichsgrĂŒndung von 1871 kam es zu wechselnden Renaissancen und einer immer stĂ€rker werdenden politischen Inanspruchnahme Kleists.[26]

Kleist im Urteil seiner Zeitgenossen

Schon die erste Veröffentlichung Kleists, Die Familie Schroffenstein in „der Geßnerischen Buchhandlung beym Schwanen“ 1802, zog skeptische wie gleichermaßen wohlwollende Urteile der Zeitgenossen auf sich. Eine erste ausfĂŒhrliche Rezension des anonym veröffentlichten Kleist-Erstlings stammt aus der Feder des Dramatikers Ludwig Ferdinand Huber. Huber bekrĂ€ftigte im MĂ€rz 1803, der unbekannte Dichter habe seine anfĂ€ngliche Skepsis durch die begeisterte Hoffnung zu ersetzen vermocht, „daß endlich doch wieder ein rĂŒstiger KĂ€mpfer um den poetischen Lorbeer aufstehe, wie ihn unser Parnaß gerade jetzt so sehr braucht“.[27] Trotz der einhellig anerkannten, allerdings weiterer Entwicklung bedĂŒrftigen Begabung des Dichters fand das StĂŒck kaum Beachtung auf deutschen BĂŒhnen. Vier Jahre vergingen, bis ein weiteres Werk Kleists veröffentlicht wurde, das Lustspiel Amphitryon (1807), herausgegeben von Adam MĂŒller. Der Amphitryon, eine weitreichende Bearbeitung einer Vorlage von MoliĂšre und ein Grenzgang zwischen den Nationalliteraturen, konnte angesichts des Einzugs Napoleons in Berlin (27. Oktober 1806) nur geringe Resonanz verzeichnen. Die Kette der kleistschen Veröffentlichungen riss dennoch bis Mitte 1811 nicht mehr ab.

Als folgenreich erwies sich die UrauffĂŒhrung des Zerbrochnen Krugs am Weimarer Hoftheater unter der Leitung Johann Wolfgang von Goethes, der dem StĂŒck nach zweimaliger LektĂŒre „außerordentliche Verdienste“ zugesprochen hatte.[28] Das von den Zeitgenossen in seiner Weimarer UrauffĂŒhrung am 2. MĂ€rz 1808 als langatmig und sperrig empfundene Werk prĂ€gte die Haltung des zeitgenössischen Publikums Kleist gegenĂŒber nachhaltig. Kleists Schicksal als zeitgenössischer BĂŒhnenautor war nach der missglĂŒckten UrauffĂŒhrung, zumal auf Goethes anspruchsvoller ReformbĂŒhne, weitgehend besiegelt.

Eine stark verfremdete, pantomimische Inszenierung von Ausschnitten der Penthesilea in Berlin 1811 fiel ebenfalls beim Publikum durch, und auch als politischer Publizist („Phöbus“) blieb Kleist der Erfolg versagt. Einzig die Erfolgsgeschichte des Kleist-Dramas Das KĂ€thchen von Heilbronn begann schon zu Lebzeiten des Dichters mit einer Wiener AuffĂŒhrung vom 17. MĂ€rz 1810: „Allerdings war das Publikum – wie im ĂŒbrigen das gesamte neunzehnte Jahrhundert hindurch – von diesem StĂŒck sehr viel stĂ€rker angetan als die Kritik, die allein dem Genre schon skeptisch gegenĂŒberstand. [
] Diese immer wieder gemachte Beobachtung faßte der Rezensent des Morgenblattes fĂŒr gebildete StĂ€nde schließlich beinahe lakonisch in der Formel ‚Kleist’s KĂ€thchen von Heilbronn wird sehr verschieden beurtheilt, aber immer stark besucht‘ zusammen [
].“[29]

Nicht zuletzt wurde Kleist zu Lebzeiten zum VerhĂ€ngnis, dass ihm die Sympathien der urteilsbildenden und die öffentliche Kultur prĂ€genden intellektuellen Elite seiner Zeit ĂŒberwiegend verwehrt blieben. Teilweise brachte er gerade potenzielle Förderer, auf deren UnterstĂŒtzung er angewiesen gewesen war, gegen sich auf. Durch gezielte Indiskretionen ĂŒber August Wilhelm Iffland, den mĂ€chtigen Generaldirektor der Königlichen Schauspiele in Berlin, der eine Inszenierung des KĂ€thchens abgelehnt hatte, verbaute er sich den Zugang zu Berliner Theater und Publikum. Bis auf wenige Ausnahmen blieben dem Dramatiker Kleist die SchauspielhĂ€user als zentrale WirkungsstĂ€tten verschlossen.

Kleist-Renaissancen und Kleist-Mythos

Kleist-Denkmal von Gottlieb Elster in Frankfurt (Oder), 1910

Neben Kleists spektakulĂ€rem Suizid prĂ€gten vor allem die Folgen seines Ungeschicks im Werben um geeignete Förderer Kleists RenommĂ©e und das Kleist-Bild ĂŒber Jahrzehnte hinweg negativ. Insbesondere Goethes Abwendung und der postume Abdruck nicht autorisierter Goethe-Sentenzen ĂŒber die „nordische SchĂ€rfe des Hypochonders“ Kleist durch Johann Daniel Falk[30] wirkte in dieser Hinsicht negativ nach. Erst unter gewandelten historischen Rahmenbedingungen kam es zu nachhaltigen Renaissancen der Kleist-Rezeption, die die Wahrnehmung des Dichters dauerhaft verĂ€ndern sollten. Seit der zweiten HĂ€lfte und verstĂ€rkt seit Ende des 19. Jahrhunderts wurden Kleists Dramen und ErzĂ€hlungen in den sehr unterschiedlichen Bezugsfeldern der deutschen Einigung wie auch der literarischen Moderne Gegenstand gegensĂ€tzlicher Strömungen der Neuentdeckung. „Innerhalb des seit den 1860er Jahren einsetzenden ideologischen Feldzuges, mit dem die BefĂŒrworter Preußens die Deutschen zur Beförderung der geeinten Nation ĂŒberzogen, wurde Kleist ein gewichtiger [
] Part angetragen: in ihm wollte man den Propheten des werdenden Reiches erkennen und zugleich vorbildliches Preußen- wie Deutschtum verkörpert sehen.“[31]

Die nationalistisch und chauvinistisch geprĂ€gte Vereinnahmung Kleists wĂ€hrend des spĂ€ten 19. Jahrhunderts fand spĂ€ter ihre Fortsetzung in der Vereinnahmung des Dichters durch die NS-Kulturpolitik, die die „zeitbedingte Bejahung des großen EinzeltĂ€ters in der ‚Hermannsschlacht‘ und den absoluten Gehorsamsanspruch des KurfĂŒrsten in ‚Prinz Friedrich von Homburg‘ als Vorwegnahme des faschistischen FĂŒhrerkults deutete.“[32]

5 Mark GedenkmĂŒnze der DDR zum 175. Todestag von Heinrich von Kleist aus dem Jahr 1986

Neben der ausgiebigen Rezeption des politischen Dichters Kleists als Inbegriff des deutschen Patrioten (Hermannsschlacht, Prinz Friedrich von Homburg) im Sinne des Deutschen Kaiserreichs wandten sich um die Jahrhundertwende auch die jungen Autoren der literarischen Moderne programmatisch dem Werk Kleists zu. Angesichts seiner weitgehenden Entfremdung von den Vertretern der Weimarer Klassik bot Kleist sich mustergĂŒltig als Vorbild fĂŒr die Ablösung einer neuen Schriftstellergeneration von Goethes ĂŒbermĂ€chtiger Erscheinung an. „Daraus resultierte, daß Kleist eine gleich zweifache Vorreiterrolle zugewiesen wurde: in seiner eigenen Gegenwart als KĂ€mpfer gegen die Klassik und – achtzig Jahre spĂ€ter im Zeichen der literarischen Avantgarde als VorkĂ€mpfer der Moderne, der zugleich Opfer der Klassik wurde.“[33] Im Gefolge dieser nachhaltigen zweiten Welle der Kleist-Wiederaneignung entdeckte im frĂŒhen zwanzigsten Jahrhundert eine Generation junger Schriftsteller, darunter Gerhart Hauptmann, Frank Wedekind, Carl Sternheim und Georg Kaiser, den Dichter als wichtigen Wegbereiter experimenteller und subjektivierter literarischer AnsĂ€tze fĂŒr sich.[34]

Erinnerungen an Kleist

BegrÀbnisstÀtte

Das Kleistgrab unterhalb der Bismarckstraße am Kleinen Wannsee wurde nach einem von der Bundeskulturstiftung ausgeschriebenen Wettbewerb neu gestaltet.[35][15] Dank einer Spende der Berliner Verlegerin Ruth Cornelsen (Cornelsen Kulturstiftung) und ZuschĂŒssen der Bundeskulturstiftung und des Berliner Senats wurden das Grabmal und seine Umgebung zum zweihundertsten Todestag des Paares 2011 renoviert und mit Informationstafeln ausgestattet.[35][36][37] Der 1936 aufgestellte Grabstein aus Granit und ein schmiedeeisernes kniehohes Eisengitter als Einfriedung blieben erhalten. Das Geburtsdatum Kleists wird nun mit dem 10. statt mit dem 18. Oktober angegeben. Henriette Vogels – bisher auf einem eigenen Stein befindliche – Daten sind neu in den Grabstein eingemeißelt. Darunter steht wieder der wĂ€hrend der Zeit des Nationalsozialismus aus ideologischen GrĂŒnden entfernte Gedenkspruch des jĂŒdischen Dichters Max Ring mit dem Hinweis auf die fĂŒnfte Vaterunser-Bitte: „‚Er lebte, sang und litt / in trĂŒber, schwerer Zeit. / Er suchte hier den Tod / und fand Unsterblichkeit‘. Matth. 6 V.12“. Die RĂŒckseite des um 180 Grad gedrehten Steins zeigt die vorherige heroisierende Inschrift von 1941 mit der Zeile aus Kleists Prinz von Homburg: „Nun, o Unsterblichkeit, bist du ganz mein.“[38][39][40] Das Grab ist als Ehrengrab der Stadt Berlin gewidmet.

Benennung von Straßen, PlĂ€tzen und Parks

Nach Heinrich von Kleist wurden Straßen, wie z. B. in Mannheim, Bonn, Wien, Potsdam, Köln, MĂŒlheim an der Ruhr, Leipzig, Berlin, Braunschweig, Bad Homburg, Wolfsburg, Limburg (Lahn) und Dresden benannt, ebenso PlĂ€tze in Kitzingen, Leverkusen, WĂŒrzburg und Wuppertal sowie der Heinrich-von-Kleist-Park in Berlin und der Kleistpark in Frankfurt (Oder).

Benennung von GebÀuden

  • Das Heinrich-von-Kleist-Forum, ein Kultur- und Bildungszentrum im Bahnhofsquartier von Hamm
  • Die Heinrich-von-Kleist-Realschule Heilbronn
  • Die Heinrich-von-Kleist Schule in Eschborn (Gesamtschule)
  • Die Heinrich-von-Kleist-Schule in Bochum (Gymnasium)
  • Die Schule des zweiten Bildungsweges "Heinrich von Kleist" in Potsdam
  • Die Heinrich-von-Kleist Grund- und Oberschule in Lichtenstein/Sa.

Heinrich-von-Kleist-Institutionen

Das Kleist-Museum in Frankfurt (Oder) und das Kleist-Archiv Sembdner in Heilbronn widmen sich dem Leben und Werk Heinrich von Kleists.

Die Heinrich-von-Kleist-Gesellschaft verleiht jÀhrlich den Kleist-Preis und erhÀlt das Andenken an ihn aufrecht.

Ausstellungen

Hörspiel ĂŒber die letzten 24 Stunden vor dem Suizid

Im Jahre 1966 schrieb Hans Rothe sein Hörspiel Bei Stimming am Wannsee, das vom NDR unter der Regie von Hans Bernd MĂŒller produziert und am 17. Dezember 1966 erstgesendet wurde.

Es sprachen:

Zum Inhalt des knapp 57-minĂŒtigen Hörspiels ist auf der entsprechenden Seite bei der ARD-Hörspieldatenbank folgender Text zu lesen: Hans Rothes Hörspiel »Bei Stimming am Wannsee« handelt von den letzten 24 Stunden vor dem gemeinsamen Selbstmord des Heinrich von Kleist mit der Henriette Vogel. Eine vornehme Dame und ein hochmögender Herr mieten Zimmer bei den Stimmings am Wannsee. Das Wirtpaar Stimming und das DienstmĂ€dchen deuten die VorgĂ€nge, die seltsamen Belustigungen der Herrschaften nicht zum Tode hin. Ein Stockwerk höher der genau geplante Selbstmord, Todessehnsucht wird zum prĂ€zisen Ablauf, den exaltierte GefĂŒhlsbetontheit verschleiern möchte. Es werden zwei verschiedene Sprachen auf zwei verschiedenen Ebenen gesprochen, es wird auf zwei Ebenen gedacht, gehandelt, empfunden. Nachdem schöne und geistreiche Worte nicht haben helfen können, bringt der Tod ein gemeinsames Vokabular.

Lesungen

Musikalische und weitere Adaptionen

Vertonungen

Vom 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart hat Heinrich von Kleist zahlreiche Komponisten zu eigenen Schöpfungen angeregt. Gegenstand der musikalischen Auseinandersetzung waren dabei sowohl Kleists Werke als auch sein wechselvolles Leben. Zu den musikalischen Adaptionen zĂ€hlen neben BĂŒhnenmusiken und sinfonischen Dichtungen auch mehrere Opernkompositionen.[43] Allein zum Schauspiel Das KĂ€thchen von Heilbronn liegen acht Opernfassungen vor.

Zu den musikalischen Adaptionen Kleistscher Werke zÀhlen:

  • Carl Martin Reinthaler: Das KĂ€thchen von Heilbronn, Romantische Oper in vier Akten, UrauffĂŒhrung Frankfurt 1881 (WiederauffĂŒhrung am Theater Erfurt 2009)
  • Felix Draeseke (1835–1913) vertonte Germania an ihre Kinder als Kantate und komponierte ein Sinfonisches Vorspiel zu Penthesilea
  • Hugo Wolf (1860–1903) nahm Penthesilea zur Vorlage seiner gleichnamigen Sinfonischen Dichtung
  • Hans Pfitzner (1869–1949) komponierte zu Das KĂ€thchen von Heilbronn eine BĂŒhnenmusik
  • Richard Wetz (1875–1935) ließ sich vom Leben des Dichters zu einer Kleist-OuvertĂŒre anregen
  • Othmar Schoeck (1886–1957) vertonte Penthesilea als Oper in einem Akt
  • Viktor Ullmann (1898–1944) vertonte Der zerbrochne Krug als Oper in einem Akt
  • Hans Werner Henze (1926–2012) vertonte Prinz Friedrich von Homburg als Oper (UrauffĂŒhrung 1958)(siehe Der Prinz von Homburg)
  • Werner Egk (1901–1983) vertonte Die Verlobung in San Domingo als Oper in zwei Akten
  • Fritz Geißler (1921–1984) vertonte Der zerbrochne Krug als Komische Oper in sieben Szenen, 1968/69
  • Klaus Schulze (* 1947) widmete dem Dichter ein gleichnamiges StĂŒck auf seinem Album „X“
  • Das Erdbeben von Chili diente als literarische Vorlage zu Awet Terterjans (1929–1994) Oper Das Beben, sowie JĂĄn Cikkers (1911–1989) Oper Das Verdikt.
  • Am 22. MĂ€rz 2008 fand im Theater der Stadt Brandenburg an der Havel die UrauffĂŒhrung der Oper Kleist von Rainer Rubbert (Komposition) und Tanja Langer (Libretto) statt, die sich mit dem Leben, Werk und Tod des Heinrich von Kleist beschĂ€ftigt. Partitur, Klavierauszug und Libretto wurden vom Kleist-Archiv Sembdner, Heilbronn herausgegeben (Reihe Kleist und die Musik, Band 3, 1–3).
  • MichĂšle Jung: „Das Paradies ist verriegelt...“. Intro du livret de l’OpĂ©ra en un acte de RenĂ© Koering. „ScĂšnes de Chasse“, d’aprĂšs „Penthesilea“. CrĂ©Ă© Ă  l’OpĂ©ra Berlioz en 2008.
  • Charlotte Seither: Schatten und Klarsein. Verse fĂŒr Heinrich von Kleist (2009/10) fĂŒr Sopran und Streichorchester. Auftragswerk des WĂŒrttembergischen Kammerorchesters Heilbronn
  • Hauke Berheide: Mauerschau. Oper ĂŒber Penthesilea, Auftrag der Bayerischen Staatsoper, MĂŒnchner Opernfestspiele, 2016.

Film und Fernsehen

Kleists Werke bildeten seit 1935 die Grundlage zahlreicher internationaler Verfilmungen fĂŒr Kino und Fernsehen. Besonders hĂ€ufig wurden die Dramen Der zerbrochne Krug (unter anderem in dem bekannten Spielfilm mit Emil Jannings von 1937), Das KĂ€thchen von Heilbronn (als Fernsehfilm unter der Regie von Karl-Heinz Stroux 1968) und Prinz Friedrich von Homburg (z. B. von Marco Bellocchio und Kirk Browning) verfilmt. Die am hĂ€ufigsten verfilmte Kleist-ErzĂ€hlung ist Michael Kohlhaas, von der unter anderem Fassungen von Volker Schlöndorff und Edward Bond („Michael Kohlhaas – Der Rebell“, 1969) sowie von MiloĆĄ Forman („Ragtime“, 1981) vorliegen.[44]

Als Rollengestalt tritt Heinrich von Kleist darĂŒber hinaus in mehreren Kino- und Fernseh-Produktionen in Erscheinung, etwa in:

  • Wie zwei fröhliche Luftschiffer (1969), 85 Minuten, Drehbuch und Regie: Jonatan Briel. Die DFFB-Produktion empfindet die letzten drei Tage im Leben Kleists nach und lief als deutscher Beitrag bei den Filmfestspielen in Locarno 1970.[45]
  • Im Jahr 1977 entstand unter der Regie von Helma Sanders-Brahms der 130 Minuten lange Spielfilm Heinrich mit Heinrich Giskes, Grischa Huber, Hannelore Hoger, Heinz Hönig und Lina Carstens in den Hauptrollen. In RĂŒckblenden auf das Leben des Dichters Heinrich von Kleist und seiner Freundin Henriette Vogel sucht der Film nach Motiven fĂŒr ihren Suizid im Herbst 1811. Das Werk wurde mit dem Bundesfilmpreis und Filmband in Gold fĂŒr das Drehbuch ausgezeichnet.
  • An Kleists Drama Die Hermannsschlacht knĂŒpft ein gleichnamiges 70-minĂŒtiges Filmprojekt an (Autoren und Produzenten: Christian Deckert, Hartmut Kiesel, Christoph Köster, Stefan Mischer und Cornelius Völker), das zwischen 1993 und 1995 entstand. Der vergleichsweise aufwĂ€ndige studentische Spielfilm zeigt unter anderem den Dramatiker Kleist bei der Arbeit an seinem gleichnamigen TheaterstĂŒck. In fiktiven Treffen auf der Velmerstot sowie auf dem antiken Schlachtfeld begegnet er dem Dramatiker Christian Dietrich Grabbe. Kleist verstrickt sich in literarische Debatten mit seinem dem Schnaps zusprechenden Dichterkollegen (ErstauffĂŒhrung: DĂŒsseldorf, Mai 1995; DVD-Edition 2005).
  • Die Akte Kleist (2011), 52 Minuten, Idee und Produzent Christian Beetz, Regie: Simone Dobmeier, Hedwig Schmutte, Torsten Striegnitz ist eine Dokumentation mit Spielszenen und Animationen. In den Rollen Heinrich von Kleist: Alexander Beyer, Henriette: Meret Becker, Sprecherin: Nina Hoss. Die Akte Kleist wird in einer Krimidramaturgie von Ulrike Landfester – Literaturwissenschaftlerin, Claus Peymann – Theaterregisseur, Christopher Clark – Historiker, Alexander Weigel – Dramaturg aufgeschlagen. Eine Produktion der Gebrueder Beetz Filmproduktion[46]
  • Amour Fou (2014), 96 Minuten, Drehbuch und Regie: Jessica Hausner, mit Christian Friedel als Heinrich von Kleist und Birte Schnöink als Henriette Vogel

Kleist als literarische Figur

Die schillernde Biographie Kleists regte im 20. und 21. Jahrhundert zahlreiche Schriftsteller zu literarischen Adaptionen an, darunter:

  • Albrecht Schaeffer: Rudolf Erzerum oder des Lebens Einfachheit. Neuer Verl., Stockholm 1945. (Kleist ist ein Akteur des Romans. Sein Name fĂ€llt spĂ€t, aber mehrfach. Vgl. Arno Pielenz: Der erdichtete Dichter. Heilbronner Kleist-BlĂ€tter 23)
  • Karin Reschke: Verfolgte des GlĂŒcks. Findebuch der Henriette Vogel. Rotbuch, Berlin 1982, ISBN 3-88022-266-5. (Taschenbuchausgabe: Rotbuch, Hamburg 1996, ISBN 3-88022-397-1). (Darstellung des Suizids aus der Perspektive Henriette Vogels)
  • Christa Wolf: Kein Ort. Nirgends. Berlin, Weimar 1979, ISBN 3-423-08321-2 (ErzĂ€hlung ĂŒber eine mögliche, aber fiktive Begegnung von Karoline von GĂŒnderrode mit Heinrich von Kleist)
  • Robert Löhr: Das Erlkönig-Manöver. Piper, MĂŒnchen 2007, ISBN 978-3-492-04929-0 (Fiktive Geschichte: Goethe, Schiller, Arnim, Brentano, Humboldt und Kleist machen sich auf, den Dauphin von Frankreich zu befreien) ISBN 3-492-04929-X
  • Roman Bösch: Kleists „Geschichte meiner Seele“. Verlag Josef Knecht, Freiburg 2007, ISBN 3-7820-0901-0 (Historischer Roman. In einer fiktiven Autobiographie beschreibt Kleist sein Leben mit eigenen Worten)
  • Dagmar Leupold: Die Helligkeit der Nacht. C.H. Beck, MĂŒnchen 2009, ISBN 978-3-406-59071-9 (Die Autorin lĂ€sst Heinrich von Kleist, durch Deutschland reisend, in einen Briefkontakt mit Ulrike Meinhof treten)
  • Robert Löhr: Das Hamlet-Komplott. Piper, MĂŒnchen 2010, ISBN 978-3-492-05327-3. (Goethe und Kleist ringen 1807 um das Schicksal der deutschen Reichskrone)
  • Klauspeter Bungert: Kleist – ein Traumspiel (TheaterstĂŒck – das Leben Heinrich von Kleists als Folie fĂŒr ein labyrinthisches Drama um die Suche nach einem festen Standort), 1975/94, Synopsis@theaterverlag-cantus.de; Dramen. Band 1, Barnstorf 2015, S. 41–77, Verlagswerbung
  • Tanja Langer: Wir sehn uns wieder in der Ewigkeit. Die letzte Nacht von Henriette Vogel und Heinrich von Kleist. dtv 2011, ISBN 978-3-423-13981-6
  • Gerd Hergen LĂŒbben: Versionen I │ »Aus dem Logbuch eines SeelenverkĂ€ufers«,»Thinka kann tanzen ‱ Kleists Emphasen«, »Zueignungen ‱ Daimonion« und andere Texte. ebook verlag dreikorb 2014, ISBN 978-3-95577-773-9. (Der Autor spĂŒrt den bedeutsamen Namensnennungen Katharina, KĂ€thchen und Thinka sowie der tarantellahaft bewegenden Verwendung von Rohrblatt-Instrumenten in Leben und Werk Heinrich von Kleists nach)

Werke

Entstehungszeit und Originalausgaben

Dramen

Titelblatt der Erstausgabe 1810

ErzÀhlungen und Anekdoten

Theoretische Schriften

Gesamt- und Werkausgaben

  • Heinrich von Kleist: ErzĂ€hlungen. Mit Einleitung, Nachwort und einem Verzeichnis der Setzfehler versehen und herausgegeben von Thomas Nehrlich. Nachdruck der Ausgabe Berlin 1810/11. 2 BĂ€nde. Olms, Hildesheim 2011 (= Historia Scientiarum.).
  • Heinrich von Kleist: SĂ€mtliche Werke. Herausgegeben und eingeleitet von Arnold Zweig. 4 BĂ€nde. Rösl & Cie, MĂŒnchen 1923.
  • Heinrich von Kleists gesammelte Schriften. Hrsg. von Ludwig Tieck. 3 BĂ€nde. G. Reimer, Berlin 1826.
  • Heinrich von Kleists SĂ€mtliche Werke. VollstĂ€ndige Ausgabe in vier BĂ€nden. Mit drei Bildnissen des Dichters, einer Abbildung seiner GrabstĂ€tte und einem Briefe in Faksimile. Hrsg. von Prof. Dr. Karl Siegen. 4 BĂ€nde. Max Hesses Verlag, Leipzig um 1900.
  • Kleists sĂ€mtliche Werke. Hrsg. von Arthur Eloesser. 5 BĂ€nde. Tempel-Verlag, Leipzig um 1920.
  • Heinrich von Kleist: Werke und Briefe. Hrsg. von Siegfried Streller. 4 BĂ€nde. Aufbau, Berlin/ Weimar 1978.
  • Heinrich von Kleist: SĂ€mtliche Werke und Briefe. Hrsg. von Ilse-Marie Barth, Klaus MĂŒller-Salget, Stefan Ormanns und Hinrich C. Seeba. 4 BĂ€nde. Deutscher Klassiker Verlag, Frankfurt am Main 1987–1997.
  • Heinrich von Kleist: SĂ€mtliche Werke. Hrsg. von Roland Reuß und Peter Staengle. Stroemfeld, Basel/ Frankfurt am Main 1988–2010 (Berliner Ausgabe; ab 1992: Brandenburger Ausgabe), Editionsplan
  • Heinrich von Kleist: SĂ€mtliche Werke und Briefe. Hrsg. von Helmut Sembdner. 9., vermehrte und revidierte Auflage. Hanser, MĂŒnchen 1993; auch Deutscher Taschenbuchverlag, MĂŒnchen 2001 (= dtv. Band 2001), ISBN 3-423-12919-0.
  • Heinrich von Kleist: SĂ€mtliche Werke und Briefe. MĂŒnchner Ausgabe. Hrsg. von Roland Reuß und Peter Staengle. 3 BĂ€nde. Hanser, MĂŒnchen 2010, ISBN 978-3-446-23600-4.

Literatur

Biographien und Gesamtdarstellungen

EinfĂŒhrung

Zu Einzelwerken

  • Ludwig Börne: Dramaturgische BlĂ€tter: Das KĂ€thchen von Heilbronn (1818). In: SĂ€mtliche Schriften. Band I. Melzer, DĂŒsseldorf 1964.
  • Gerhard DĂŒnnhaupt: Kleists Marquise von O. and its Literary Debt to Cervantes. In: Arcadia 10 (1975).
  • GĂŒnther Emig, Peter Staengle (Hrsg.): Amphitryon. „Das faßt kein Sterblicher“. InterdisziplinĂ€res Kolloquium zu Kleists „Lustspiel nach MoliĂšre“. Kleist-Archiv Sembdner, Heilbronn 2004 (Heilbronner Kleist-Kolloquien; Band 4), ISBN 3-931060-74-8.
  • Bernhard Greiner: Kleists Dramen und ErzĂ€hlungen: Experimente zum „Fall“ der Kunst. – 2. Aufl. – UniversitĂ€tsbibliothek TĂŒbingen, TĂŒbingen 2010 [1. Aufl. Francke, TĂŒbingen 2000 (UTB; 2129 : Germanistik)].
  • Walter Hinderer (Hrsg.): Kleists Dramen. Reclam, Stuttgart 1997 (Reclams Universal-Bibliothek. Literaturstudium. Interpretationen; Band 17502), ISBN 3-15-017502-X.
  • Peter Horn: Heinrich von Kleists ErzĂ€hlungen. Eine EinfĂŒhrung. Sprache+Literatur+Didaktik. Scriptor, 1978.
  • Peter Horn: Verbale Gewalt oder Kleist auf der Couch. Über die Problematik der Psychoanalyse von literarischen Texten. Athena Verlag, Oberhausen 2009, ISBN 978-3-89896-346-6.
  • Anette Horn/Peter Horn: „Ich bin dir wohl ein RĂ€tsel?“ Heinrich von Kleists Dramen. Athena, Oberhausen 2013, ISBN 978-3-89896-532-3.
  • Jochen Schmidt: Heinrich von Kleist. Die Dramen und ErzĂ€hlungen in ihrer Epoche. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2003, ISBN 3-534-15712-5.
  • Helmut Sembdner: Die Berliner AbendblĂ€tter Heinrich von Kleists, ihre Quellen und ihre Redaktion. Reprint der Ausgabe Berlin 1939. Kleist-Archiv Sembdner, Heilbronn 2011. (Heilbronner Kleist-Reprints). ISBN 978-3-940494-41-2.
  • Hans Steffen: Das Gesetz des Widerspruchs als Kleists Dichtungsgesetz. Demonstriert an seinem Lustspiel „Der zerbrochene Krug“. In: EuropĂ€ische Komödie. Hrsg. von Herbert Mainusch. Wissenschaftl. Buchges., Darmstadt 1990. S. 304–354.
  • Rolf Tiedemann: Ein Traum von Ordnung. Marginalien zur Novellistik Heinrichs von Kleist. In: Ders.: Niemandsland. MĂŒnchen 2007, S. 34–59.

Weitere Einzelaspekte

  • Heinrich Banniza von Bazan: Die Ahnen des Dichters Heinrich von Kleist. In: Familie, Sippe, Volk, 7, 1941, S. 2–4
  • GĂŒnter Blöcker: Heinrich von Kleist oder Das absolute Ich. Argon, Berlin 1960
  • Erotik und SexualitĂ€t im Werk Heinrich von Kleists. Internationales Kolloquium des Kleist-Archivs Sembdner, 22.–24. April 1999 in der Kreissparkasse Heilbronn. Kleist-Archiv Sembdner, Heilbronn 2000 (Heilbronner Kleist-Kolloquien; Band 2), ISBN 3-931060-48-9.
  • Robert Floetemeyer: Entromantisierte Romantik – Kleist vor Friedrichs „Mönch am Meer“. In: Von Altdorfer bis Serra – SchĂŒlerfestschrift fĂŒr Lorenz Dittmann, hrsg. v. I. Besch. St. Ingbert 1993, S. 97–115
  • Ulrich FĂŒlleborn: Die frĂŒhen Dramen Heinrich von Kleists. Fink, MĂŒnchen 2007, ISBN 978-3-7705-4331-1.
  • Dirk Grathoff: Kleist. Geschichte, Politik, Sprache. AufsĂ€tze zu Leben und Werk Heinrich von Kleists. Heilbronn: Kleist-Archiv Sembdner 2008. (Heilbronner Kleist-Reprints), ISBN 978-3-940494-12-2. (Reprint der 2., verbesserten Auflage Wiesbaden 2000)
  • Barbara Gribnitz, Wolfgang de Bruyn (Hrsg.): Hier wird das Herz von Sorgen leer. Das Hirschberger Tal um 1800. Sonderheft der Vierteljahresschrift Silesia Nova zur Ausstellung Über den HĂ€uptern der Riesen – Kleists schlesische Reise des Kleist-Museums Frankfurt (Oder) und des StĂ€dtischen Museums Gerhart-Hauptmann-Haus Jelenia Gora. Neisse Verlag, Dresden 2008, ISBN 978-3-940310-45-3.
  • Johannes Hilgart: Heinrich von Kleist am Rhein, Mitteldeutscher Verlag, Halle (Saale) 2013, ISBN 978-3-95462-025-8 (= Stationen 2).
  • Klaus Jeziorkowski (Hrsg.): Kleist in SprĂŒngen. Mit BeitrĂ€gen von Annette Linhard, Kay Link, Sigurd Martin, Klaus Jeziorkowski, Mareike Blum und Ingo Wintermeyer. Iudikum Verlag, MĂŒnchen 1999, ISBN 3-89129-626-6.
  • Kevin Liggieri, Isabelle Maeth, Christoph Manfred MĂŒller (Hrsg.): „Schlagt ihn todt!“ Heinrich von Kleist und die Deutschen. Dokumentation der Tagung Bochum 29. April 2011. Kleist-Archiv Sembdner, Heilbronn 2013, ISBN 978-3-940494-62-7.
  • Gerd Hergen LĂŒbben, Kleist und die Emphase der Tarantella. In: 'rohrblatt – Magazin fĂŒr Oboe, Klarinette, Fagott und Saxophon; 2000, Heft 3 (Schorndorf)
  • Michael Mandelartz: Goethe, Kleist. Literatur, Politik und Wissenschaft um 1800. Berlin: Erich Schmidt Verlag 2011, ISBN 978-3-503-12271-4.
  • Martin Maurach: „Betrachtungen ĂŒber den Weltlauf“. Kleist 1933–1945. Berlin: Theater der Zeit, 2008, ISBN 978-3-940737-12-0
    • ders.: „Ein Deutscher, den wir erst jetzt erkennen“. Heinrich von Kleist zur Zeit des Nationalsozialismus. Kleist-Archiv Sembdner, Heilbronn 2011, ISBN 978-3-940494-52-8
  • Katharina Mommsen: Kleists Kampf mit Goethe. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1979
  • Walter MĂŒller-Seidel (Hrsg.): Heinrich von Kleist. AufsĂ€tze und Essays. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft 1967 (= 4. Auflage 1987) (= Wege der Forschung; Band 147), ISBN 3-534-03989-0.
  • Thomas Nehrlich: „Es hat mehr Sinn und Deutung, als du glaubst.“ Zu Funktion und Bedeutung typographischer Textmerkmale in Kleists Prosa. Hildesheim: Olms 2012
  • Joachim Pfeiffer: Die zerbrochenen Bilder. Gestörte Ordnungen im Werk Heinrich von Kleists. Königshausen + Neumann, WĂŒrzburg 1989, ISBN 3-88479-436-1.
  • Poesiealbum 296. MĂ€rkischer Verlag, Wilhelmshorst 2011, ISBN 978-3-931329-96-9.
  • Sigismund Rahmer: Das Kleist-Problem aufgrund neuer Forschungen zur Charakteristik und Biographie von Heinrich von Kleist. Reimer, Berlin 1903. Reprint: Kleist-Archiv Sembdner, Heilbronn 2009, ISBN 978-3-940494-26-9.
  • Viola RĂŒhse: ‚dies wunderbare GemĂ€hlde‘. Ästhetische und kunstpolitische Aspekte in Texten von Clemens Brentano, Achim von Arnim und Heinrich von Kleist zu Caspar David Friedrichs LandschaftsgemĂ€lde ‚Mönch am Meer‘ In: Kleist-Jahrbuch 2013, S. 238–255
  • Johann Karl von Schroeder: Der Geburtstag von Heinrich v. Kleist. In: Der Herold, NF 11, 1984/86, S. 389–391
  • Horst Schumacher: Das Kleist-Grab am Kleinen Wannsee. Kleist-Archiv Sembdner, Heilbronn 2010, ISBN 978-3-940494-34-4.
  • Helmut Sembdner (Hrsg.): Heinrich von Kleists Lebensspuren. Dokumente und Berichte der Zeitgenossen. 7. erweiterte Neuauflage. Hanser, MĂŒnchen 1996
  • Stefan Zweig: Der Kampf mit dem DĂ€mon. Hölderlin – Kleist – Nietzsche (= Die Baumeister der Welt. Band 2). Insel Verlag, Leipzig 1925.
  • Robert Labhardt: Metapher und Geschichte – Kleists dramatische Metaphorik bis zur „Penthesilea“ als Widerspiegelung seiner geschichtlichen Position. Dissertation an der UniversitĂ€t Basel, Scriptor, Krohnberg im Taunus 1976, ISBN 3-589-20509-1.

Bibliographien

  • GĂŒnther Emig, Arno Pielenz (Hrsg.): Kleist-Bibliographie. Teil 1: Bis 1990. Kleist-Archiv Sembdner, Heilbronn 2007 (Heilbronner Kleist-Bibliographien, Band 2).
  • GĂŒnther Emig: Kleist-Bibliographie. Teil 4: 2001–2015. Kleist-Archiv Sembdner 2018, Heilbronn (Heilbronner Kleist-Bibliographien, Band 6).
  • Kleist im Spiegel der Presse. Hrsg. vom Kleist-Archiv Sembdner, Heilbronn. Erschienen: Band 1 (1993–1995) bis Band 10 (2010/11). Fortsetzung im Internet (www.kleist.org)

Eine laufende Kleist-Bibliographie ist erschienen in:

Weblinks

Wikisource: Heinrich von Kleist – Quellen und Volltexte
 – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise und Anmerkungen

  1. ↑ In einem Brief vom 10./11. Oktober 1800 an Wilhelmine von Zenge schrieb Kleist: „Ja, mein Geburtstag ist heute, [
]“.
  2. ↑ Wolfgang Beutin, Klaus Ehlert, Wolfgang Emmerich, Helmut Hoffacker, Bernd Lutz, Volker Meid, Ralf Schnell, Peter Stein und Inge Stephan: Deutsche Literaturgeschichte. Von den AnfĂ€ngen bis zur Gegenwart. FĂŒnfte, ĂŒberarb. Auflage. Stuttgart, Weimar: Metzler 1994. S. 188.
  3. ↑ Sein ihn begleitender Freund Ludwig von Brockes nannte sich Bernhoff
  4. ↑ 1848 umbenannt in Russischer Hof.
  5. ↑ Das (auch gegen Entgelt erfolgende) „Begaffen der Geisteskranken“ am Juliusspital untersagte bald darauf erst Anton MĂŒller, der Direktor der dortigen Irrenanstalt.
  6. ↑ Konrad Rieger: Aus dem Julius-Spital und der Ă€ltesten psychiatrischen Klinik. In: Hundert Jahre bayerisch. Ein Festbuch, herausgegeben von der Stadt WĂŒrzburg. WĂŒrzburg 1914, S. 303–334, hier: S. 305.
  7. ↑ Magdalena FrĂŒhinsfeld: Anton MĂŒller. Erster Irrenarzt am Juliusspital zu WĂŒrzburg: Leben und Werk. Kurzer Abriß der Geschichte der Psychiatrie bis Anton MĂŒller. Medizinische Dissertation WĂŒrzburg 1991, S. 9–80 (Kurzer Abriß der Geschichte der Psychiatrie) und 81–96 (Geschichte der Psychiatrie in WĂŒrzburg bis Anton MĂŒller), S. 109 f. und 120.
  8. ↑ Thomas Vogel: Krankheit und Dichtung. Heinrich von Kleist. In: Auf den Spuren der Dichter in WĂŒrzburg. Hrsg.: Kurt Illing. Eigenverlag (Druck: Max Schimmel Verlag), WĂŒrzburg 1992, S. 25–36; hier: S. 26–32.
  9. ↑ a b c d Heinrich von Kleist. SĂ€mtliche Werke und Briefe. Hrsg. von Ilse-Marie Barth, Klaus MĂŒller-Salget, Stefan Ormanns und Hinrich C. Seeba. 4 BĂ€nde. Frankfurt am Main: Deutscher Klassiker Verlag 1987–1997.
  10. ↑ Jochen Schmidt: Heinrich von Kleist. Die Dramen und ErzĂ€hlungen in ihrer Epoche. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft 2003. S. 13. – „Wissenschaften“ sind hier im Sinne der Aneignung von Grundkenntnissen, die fĂŒr die AusĂŒbung eines praktischen Berufs erforderlich waren, zu verstehen.
  11. ↑ Brief an Wilhelmine vom 15. August 1801@kleistdaten.de, abgerufen am 21. Februar 2015
  12. ↑ Wilhelm Beck: Heinrich von Kleists Bewerbung um französische Postdienste in Westfalen, in: Archiv fĂŒr deutsche Postgeschichte (Hrsg. Gesellschaft fĂŒr deutsche Postgeschichte e. V.), Heft 1 (S. 14–25), Frankfurt 1958, S. 15
  13. ↑ Reich-Ranicki, Marcel: Meine Geschichte der deutschen Literatur, Deutsche Verlagsgesellschaft, 2014, S. 138
  14. ↑ (19. Dez. 2012) (Memento vom 30. Juni 2013 im Internet Archive)@archive-org.com/, abgerufen am 21. Februar 2015
  15. ↑ a b Ingeborg Harms: Was wird aus Kleists Grab? Nun, o Unsterblichkeit, bist du ganz mein, FAZ-online vom 24. Juli 2009
  16. ↑ Michael Bienert, Wie Kleist Berlin erlebte, Der Tagesspiegel vom 27. Februar 2011, Nr. 20901, S. 7
  17. ↑ Hans Joachim Kreutzer: Heinrich von Kleist. 1. Auflage. C.H.Beck, MĂŒnchen 2010, ISBN 978-3-406-61240-4.
  18. ↑ Quelle?
  19. ↑ Herbert Kraft, S. 182
  20. ↑ Wolf Wingenfeld, S. 66
  21. ↑ Wingenfeld, S. 67
  22. ↑ Zahlreiche logische Inkonsistenzen der HandlungsfĂŒhrung des Zerbrochnen Krugs, die eine TĂ€terschaft von Dorfrichter Adam allenthalben unwahrscheinlich machen, offenbart Gerhard Stadelmaier in dem ausfĂŒhrlichen Essay: Adams Alibi oder Wer war in Eves Kammer? In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29. November 2008.
  23. ↑ Kraft, S. 182. – Kursivierung im Original.
  24. ↑ Siegfried Streller: Einleitung. In: Heinrich von Kleist. Dramen 1. Die Familie Schroffenstein, Robert Guiskard, Der zerbrochene Krug, Amphitryon. Frankfurt am Main: Insel 1986 (Heinrich von Kleist. Werke und Briefe in vier BĂ€nden. Hrsg. von Siegfried Streller in Zusammenarbeit mit Peter Goldammer und Wolfgang Barthel, Anita Golz, Rudolf Loch). S. 5–96, hier S. 5.
  25. ↑ Kraft, S. 207
  26. ↑ Anett LĂŒtteken: Heinrich von Kleist – Eine Dichterrenaissance. Max Niemeyer, TĂŒbingen 2004, S. 27.
  27. ↑ Ludwig Ferdinand Huber: Erscheinung eines neuen Dichters. In: Der FreimĂŒthige, oder Berlinische Zeithung fĂŒr gebildete, unbefangene Leser, 4. MĂ€rz 1803, Nr. 36, S. 141 f. Zitiert nach: Anett LĂŒtteken: Heinrich von Kleist – Eine Dichterrenaissance. TĂŒbingen: Max Niemeyer 2004, S. 40.
  28. ↑ Johann Wolfgang von Goethe an Adam MĂŒller, 28. August 1807, in: Jakob Baxa (Hrsg.): Adam MĂŒllers Lebenszeugnisse. 2 BĂ€nde. MĂŒnchen; Paderborn; Wien 1966. Bd. I, S. 345 f., Nr. 236. Zitiert nach: Anett LĂŒtteken: Heinrich von Kleist – Eine Dichterrenaissance. TĂŒbingen: Max Niemeyer 2004, S. 66.
  29. ↑ Anett LĂŒtteken: Heinrich von Kleist – Eine Dichterrenaissance. TĂŒbingen: Max Niemeyer 2004, S. 58.
  30. ↑ Anett LĂŒtteken: Heinrich von Kleist – Eine Dichterrenaissance. TĂŒbingen: Max Niemeyer 2004, S. 74–77, hier S. 75.
  31. ↑ Anett LĂŒtteken: Heinrich von Kleist – Eine Dichterrenaissance. TĂŒbingen: Max Niemeyer 2004, S. 151.
  32. ↑ Siegfried Streller: Einleitung. In: Heinrich von Kleist. Dramen 1. Die Familie Schroffenstein, Robert Guiskard, Der zerbrochene Krug, Amphitryon. Frankfurt am Main: Insel 1986. S. 5–96, hier S. 7. – Dazu ausfĂŒhrlicher: Rolf Busch: Imperialistische und faschistische Kleist-Rezeption 1890–1945. Eine ideologiekritische Untersuchung. Frankfurt am Main 1974.
  33. ↑ Anett LĂŒtteken: Heinrich von Kleist – Eine Dichterrenaissance. TĂŒbingen: Max Niemeyer 2004, S. 84.
  34. ↑ Dazu ausfĂŒhrlicher: Klaus Kanzog (Hrsg.): Text und Kontext. Quellen und AufsĂ€tze zur Rezeptionsgeschichte der Werke Heinrich von Kleists. Berlin [West] 1979.
  35. ↑ a b Heinrich von Kleists Grab wird neu gestaltet. In: Hamburger Abendblatt. 23. November 2009, S. 6.
  36. ↑ FAZ vom 8. Oktober 2010, S. 34
  37. ↑ morgenpost.de vom 21. November 2011
  38. ↑ kleinezeitung.at vom 15. November 2011
  39. ↑ Ingeborg Harms: Nun, o Unsterblichkeit, bist du ganz mein. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24. Juli 2009.
  40. ↑ Vergleiche auch die zusammenfassende Darstellung „RĂŒckblick: Kleist-Jahr 2011“ in: Fachdienst Germanistik. Sprache und Literatur in der Kritik deutschsprachiger Zeitungen. Ausgabe 02, 2012, S. 1–7, hier S. 1
  41. ↑ bibelundliteratur.strefa.pl
  42. ↑ 21.11.2011 – Weltweite Lesung in Erinnerung an Heinrich von Kleist — Worldwide Reading. In: www.worldwide-reading.com. Abgerufen am 29. MĂ€rz 2016.
  43. ↑ Dazu ausfĂŒhrlicher: Klaus Kanzog, Hans Joachim Kreutzer (Hrsg.): Werke Kleists auf dem modernen Musiktheater. Berlin 1977.
  44. ↑ Dazu ausfĂŒhrlicher: Klaus Kanzog (Hrsg.): ErzĂ€hlstrukturen – Filmstrukturen. ErzĂ€hlungen Heinrich von Kleists und ihre filmische Realisation. Berlin [West]: Schmidt 1981. – Mary Rhiel: Re-viewing Kleist. The discursive construction of authorial subjectivity in West German Kleist films. New York: Lang 1991.
  45. ↑ Wie zwei fröhliche Luftschiffer abgerufen auf www.zweitausendeins.de am 31. Dezember 2013
  46. ↑ Die Akte Kleist. gebrueder-beetz.de
  47. ↑ Erhielt den Preis: „Geisteswissenschaften International. Preis zur Förderung der Übersetzung geisteswissenschaftlicher Literatur,“ 2012. Koordination Börsenverein des Deutschen Buchhandels
Original: Original:

https://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_von_Kleist